Gustav Sichelschmidt

Der ewige Deutschenhaß

Hintermänner und Nutznießer
des Antigermanismus

ARNDT
Umschlaggestaltung: Jürgen Woitzik, Kiel,
unter Verwendung einer französischen Propaganda-Zeichnung
aus dem Ersten Weltkrieg

Die Deutsche Bibliothek — CIP-Einheitsaufnahme
Sichelschmidt, Gustav:

Der ewige Deutschenhass : Hintermänner und Nutzniesser des
Antigermanismus / Gustav Sichelschmidt. – Kiel: Arndt, 1992
ISBN 3-88741-157-9
ISBN 3-88741-157-9
© 1992 ARNDT-Verlag. Alle Rechte vorbehalten
ARNDT-Verlag
D-24035 Kiel, Postfach 3603
Druck und Bindearbeiten: Husum Druck- und Verlagsgesellschaft
Gedruckt in Deutschland

Kapitel I:
Der ewige Deutschenhaß Die Tatsache, daß wir Deutschen zu den bestgehaßten Völkern der Weltgeschichte gehören,wird bei uns zulande gar nicht erst ins allgemeine Bewußtsein aufgenommen. Man verdrängt dieses rassistische Phänomen und deckt es aus Gründen einer allzu einseitig betriebenen Entspannungspolitik mit dem Mantel des Schweigens zu. Eine energische Durchsetzung unserer nationalen Würde ist offenbar nicht unsere Sache. Das alles ist um so erstaunlicher, als der Deutschenhaß mit Sicherheit eine unvergleichlich höhere Effizienz besitzt als etwa der Antisemitismus (besser: Antijudaismus). Immerhin entfallen auf sein Konto nicht nur die unzähligen Deutschenpogrome, die man schamhaft zu verschweigen pflegt, sondern im Grunde auch die beiden Weltkriege dieses Jahrhunderts mit Hekatomben von gefallenen Soldaten und toten Zivilisten. Die Wirkungen des Antigermanismus übertreffen bei weitem die Horrorvisionen des Antisemitismus, an dessen hinreichendem Bekanntheitsgrad in aller Welt kaum ein Zweifel besteht.Offenbar sind die Deutschen für die Handhabung von Tricks der psychologischen Kriegsführung einfach nicht disponiert. Im Gegensatz zu anderen Völkern sind sie nicht imstande, aus dem Unrecht, das sie durch andere zu erleiden hatten, nationales Kapital zu schlagen. Auch haben sie im Verlauf ihrer tragischen Geschichte kaum je nennenswerte Fürsprecher gefunden, die die an ihnen begangenen Verbrechen und Verfolgungen schonungslos aufdeckten. Höchste Zeit also,diesen bisher so dezent ausgesparten Fragenkomplex des Deutschenhasses einmal auf die Tagesordnung zu setzen und ihn bis in die letzten Verzweigungen hinein auszuleuchten, auch wenn die dabei zutage geförderten Fakten gewisse Schockeffekte auslösen könnten. Man kann sich einfach der traurigen Pflicht nicht länger entziehen, Licht in das wohl dunkelste Kapitel unserer Geschichte zu bringen.
Bezeichnend für den sträflichen Bewußtseinsrückstand auf diesem Gebiet ist bereits die Tatsache, daß Begriffe wie Deutschenhaß, Deutschenhetze, Germanophobie, Teutophobie, Antigermanismus oder Antiteutonismus in unseren gängigen Wörterbüchern überhaupt nicht auftauchen. Auch hat sich noch kein deutscher Historiker der naheliegenden Mühe unterzogen, die aufdringlichen Argumentationsmuster unserer Nationalallergiker durch harte Fakten zu widerlegen.
Gegen den deutschen Nationalismus hat man unübersehbare publizistische Geschütze aufgefahren, gegen die geradezu pathologischen Vorurteile gegenüber uns Deutschen aber hat man sich bisher vielsagend ausgeschwiegen. Für Historiker, Soziologen und Psychologen bedeutet dieses wichtige Problem kein Thema, das man mit Scharfsinn und innerem Engagement angehen sollte. Offenbar hält man in den oberen Etagen unserer geistigen Hierarchie den globalen Deutschenhaß für durchaus legitim, so daß darüber kein Sterbenswort zu verlieren wäre.
Es besteht also ausreichend Veranlassung, an diesem weißen Fleck auf unserer historiographischen Landkarte herumzurätseln. Um nämlich auf eine auch nur annähernd ähnliche Erscheinungsform eines so fulminanten Völkerhasses zu stoßen, muß man schon weit in die Geschichte zurückblenden. Bekanntlich endeten die Reden des römischen Staatsmannes Cato (234-149 v. Chr.) mit dem Schlußsatz: „Ceterum censeo Carthaginem esse delendam“ (Übrigens bin ich der Meinung, daß Karthago zerstört werden muß).Catos ebenso permanente wie penetrante Forderung, Karthago dem Erdboden gleichzumachen, ähnelt in vielem dann doch dem von englischen Presselords in Umlauf gesetzten Slogan „Germaniam esse delendam“, dem der amerikanische Jude Theodore Kaufman dann im Zweiten Weltkrieg mit seinem Pamphlet „Germany must perish“ eine damals aktuelle Version verlieh.
Die Blutopfer der beiden gegen Deutschland kaltblütig in Szene gesetzten Weltkriege
überbieten in der Tat alles, was die Juden an Pogromopfern im Laufe ihrer Geschichte zu beklagen haben. Trotz des exorbitanten Ausmaßes dieser Blutbäder wird man nicht sagen können, die Intensität des Antigermanismus hätte sich mittlerweile abgenutzt oder wäre auf einen musealen Restbestand zusammengeschrumpft. Leider ist das Gegenteil der Fall. Die Medien in aller Welt, in der der „American way of life“ zunehmend die Denkweisen und Verhaltensnormen bestimmt, überschlagen sich nach wie vor in dem unredlichen Bemühen, den ahnungslosen Deutschen gehörig am Zeuge zu flicken. Während Musterdemokraten überall in der Welt alle Erscheinungsformen von Rassismus bis aufs Messer bekämpfen, zumindest wenn es sich um Stämme im afrikanischen Busch handelt, hat man den Deutschen in der Rangordnung des internationalen Hühnerhofes die Rolle des ewigen Delinquenten zugewiesen, auf dem ständig herumzuhacken keinerlei moralische Skrupel auslöst. Inzwischen haben sich die Deutschen mit den Jahren in diese unpopuläre Rolle so sehr eingelebt, daß ihnen die Impertinenz dieses Verhaltens kaum noch zu Bewußtsein zu kommen scheint. Der Kulturphilosoph Max Scheler (1874-1928) war bisher der einzige, der zum Thema des Deutschenhasses wenigstens einige Marginalien beisteuerte. Während des Ersten Weltkrieges sah er sich aufgrund der damaligen Umstände dazu veranlaßt, in einem 1917 in Leipzig erschienenen Essay über die Ursachen des Deutschenhasses einige immer noch lesenswerte Gedanken zu entwickeln. Vor ihm hatte allerdings eine ganze Reihe bedeutender Deutscher sicher zutreffende Bemerkungen zum gespannten Verhältnis der Deutschen zu ihren Nachbarn beigesteuert.Der kirchliche Reformator und Begründer des Protestantismus Martin Luther (1483-1546) zum Beispiel, der nie aufhörte, sich leidenschaftlich neu zu seinen „lieben Deutschen“ zu bekennen, und der ihr Volksschicksal inmitten einer ihnen keineswegs freundlich gesonnenen Umwelt schmerzlich miterlitt, stellte sich immer wieder die Frage,warum seine Landsleute nicht ihrem wahren Wert und ihrer herausragenden Tüchtigkeit entsprechend geschätzt würden. „Es ist keine verachtetere Nation denn die Deutschen“, klagte er. „Italien heißt uns Bestias, Frankreich und England spottet unser und alle anderen Völker. Wer weiß, was Gott will und wird aus den Deutschen machen.“ Von Walther von der Vogelweide bis hin zu Goethe und zur jüngsten Vergangenheit reicht die Reihe der großen Deutschen, die herausragende Symptome des Deutschenhasses außerhalb und innerhalb unserer Landesgrenzen feststellten und auf ihre Art zu analysieren versuchten.
Von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) etwa läßt sich sagen, daß er nie aufgehört hat, über Deutschland und die Deutschen zu reflektieren. Aus seinem Gesamtwerk lassen sich ganze Anthologien von Aufzeichnungen zusammentragen,mit denen er immer wieder seinem um Deutschland besorgten Herzen Luft zu machen suchte. Goethe gehört auch zu denen, die gewisse Affinitäten zwischen Deutschen und Juden entdeckten und sich darum bemühten, den Gründen der Haßliebe zwischen diesen beiden ethnischen Gruppen nachzuforschen. „Es sei die Antipathie der Völker gegen das jüdische Menschenbild, in der die Hochachtung den Widerwillen vermehre, eigentlich nur mit einer anderen zu vergleichen: mit derjenigen gegen die Deutschen, deren Schicksalsrolle und innere und äußere Stellung unter den Völkern die allerwunderlichste Verwandtschaft mit der jüdischen aufweise“,äußerte er sich über das deutsch-jüdische Verhältnis einem Besucher gegenüber. „Er wolle sich nicht darüber verbreiten, allein,er gestehe, daß ihn zuweilen eine den Atem stocken lassende Angst überkomme, es möchte eines Tages der gebundene Welthaß gegen das andere Salz der Erde, das Deutschturn, in einem historischen Aufstand freiwerden. Er verfolge diese Verwandtschaft so weit, daß er den Deutschen ein ähnliches völkisches Schicksal wie den Juden prophezeie und sie sogar im Exil landen sähe.“ „Was gilt es“, orakelte Goethe düster über seine Landsleute. „Das Schicksal wird sie schlagen, weil die sich selbst verrieten und nicht sein wollten, was sie sind. Es wird sie über die Erde zerstreuen wie die Juden, zu Recht, denn ihre Besten bei ihnen leben im Exil, und im Exil erst, in der Zerstreuung, werden sie die Masse des Guten, die in ihnen lebt, zum Heile der Nationen entwickeln und das Salz der Erde sein.“ Ähnlich äußerte sich übrigens wesentlich später auch der Kulturphilosoph Paul de Lagarde (1827-1891) über den Haß der Welt, der Juden und Deutsche gleichermaßen trifft. „Die Deutschen sind die am lebhaftesten gehaßte Nation Europas. Sie stehen mit Juden und Jesuiten auf einer Stufe der Wertschätzung“,hatte er herausgefunden. In seiner grausamen Wirkung stehe der Antiteutonismus dem Antijudaismus um nichts nach. Bezeichnenderweise bediente sich im Zweiten Weltkrieg der amerikanische Jude Henry Morgenthau der griffigsten antisemitischen Verdammungsvokabel, wenn er die Deutschen als „Bestien“ abqualifizierte. Dem britischen Unterstaatssekretär Sir Robert Vansittart fiel bei Sondierung der deutschen Volksmentalität offenbar nur noch der Terminus „Würger-Vögel“ ein, und Ilja Ehrenburg rechnete uns überhaupt nicht mehr zur Spezies Mensch. Mit einem ähnlichen Vokabular hatten auch die Antisemiten ihre vernichtenden Attacken bestritten. Während Judenpogrome nicht zuletzt durch ihre tägliche Erwähnung im Fernsehen einen mittlerweile bereits abstumpfenden Bekanntheitsgrad in aller Welt besitzen, haben die Deutschen die Verfolgungen, denen sie über Jahrhunderte hinweg ausgesetzt waren, bisher noch nicht zu vermarkten verstanden. Alle Welt stellt dementsprechend eine larmoyante Empörung gegen offene oder verkappte Antijudaisten zur Schau, aber niemand kommt auf die offenbar ausgefallene Idee, so etwas wie einen Aufstand gegen den in jedem Fall folgenreicheren Antigermanismus zu proben. Während die Juden in aller Welt ihre pompösen Holocaustdenkmäler und -museen zur besseren Erpreßbarkeit der Deutschen errichtet haben, existiert so etwas wie eine institutionalisierte Abwehrfront gegen den globalen Antiteutonismus bei uns nicht einmal in Ansätzen. Dabei bestände gerade in der heutigen Zeit dazu einiger Anlaß,nachdem seit der vollzogenen Vereinigung der beiden deutschen Staaten unsere Nachbarn trotz aller gemimten Europaeuphorie uns Weltmachtansprüche unterstellen und der Welt eine deutsche Gefahr suggerieren, die die Bildung einer neuen Entente cordiale zur Einschüchterung Deutschlands nahezulegen scheint. Der Gleichmut, mit dem die Deutschen allen gegen sie inszenierten Kampagnen des Antigermanismus begegnen, läßt auf ein abgestumpftes politisches Sensorium oder auf einen notorischen Mangel an nationalem Empfinden schließen. Schon der im ostpreußischen Königsberg geborene Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) bedauerte dieses Manko der Deutschen ausdrücklich. Auch dem welterfahrenen Otto von Bismarck (1815-1898) war aufgefallen, daß sich die Deutschen von allen Völkern am schnellsten unter Preisgabe ihrer nationalen Eigenart anderswo assimilieren. In einer Reichstagsrede am 28. November 1885 bemerkte er zu diesem leidigen Thema: „Wir haben in Deutschland keinen erheblichen Überschuß an nationalem Empfinden. Ich möchte sagen,wir sind in dieser Richtung einigermaßen blutarm. Es ist eine bedauerliche Leichtigkeit, mit der der Deutsche überall, im Osten und Westen, sich von seiner Nationalität lossagt!“ In unseren Tagen konnte sich der Schriftsteller und Essayist Ulrich Sonnemann (geb.1912) nicht genug darüber wundern, daß die Deutschen „jede Grenzziehung gutheißen würden, auch wenn sie westlich Dresdens oder Berlins mitten durch Thüringen führte, nicht weil sie dafür wären, sie dort verlaufen zu lassen, sondern weil jede Kritik daran als ’nationale‘ ihnen eben tabu ist“. Bei uns wird offenbar nicht erst seit heute so etwas wie ein negativer Chauvinismus betrieben. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum von den verschiedenen Bundesregierungen die Fortführung der vom Innenministerium in Angriff genommenen Dokumentation der einmaligen Vertreibungsverbrechen an Deutschen verhindert wurde. Man hofft offenbar, mit der vollkommenen Tabuisierung nationaler Themen den Entspannungsprozeß zwischen den Völkern zu fördern. Davon kann natürlich keine Rede sein. Im Gegenteil: Unsere ehemaligen Weltkriegsverbündeten, die nach der Niederlage ihre Interessen tapfer und selbstsicher vor
dem imaginären Tribunal der gesamten Welt vertraten, kamen nicht entfernt auf den Gedanken, die frisierte Geschichtsschreibung der Sieger zu akzeptieren und sich so etwas wie eine Kollektivschuld einreden zu lassen. Der Deutschenhaß nahm geradezu monomanische Ausmaße an, als das neu gegründete Bismarckreich seine erstaunliche Wandlung zur mitbestimmenden Wirtschaftsmacht vollzogen hatte. Mit einem Schlage hatte der deutsche Michel, der bis dahin in seinem Wolkenkuckucksheim gehaust hatte, eine Seite seines Wesens herausgekehrt, die seine Umwelt mit stetig wachsender Skepsis verfolgte. Nein, das waren mit einem Male nicht mehr jene deutschen Tagträumer, die, wie Heinrich Heine spottete, zwar im Luftreich des Traumes die Weltherrschaft angetreten hatten,auf dieser Erde jedoch vor den harten Realitäten kläglich versagten. Nun rekrutierten sich aus ihrer Mitte heraus Unternehmer und Industriearbeiter, die an Gründlichkeit und Präzision alles Bisherige glatt in den Schatten stellten. Durch ihren Arbeitseifer hatten sie bald alle Konkurrenten rücksichtslos aus dem Rennen geworfen und sich damit verständlicherweise deren Sympathie verscherzt.
Mit einem überzogenen Leistungswillen hat man sich in der Welt noch niemals Freunde erwerben können. Unsere Nachbarn sahen sich dann auch durch unsere legendäre Tüchtigkeit in die Enge getrieben. Max Scheler brachte die Ursache des nun einsetzenden Deutschenhasses auf die schlichte Formel unserer unschlagbaren deutschen Tüchtigkeit. Er beantwortete sie sicher zutreffend mit der Antwort eines Franzosen auf die Frage nach den Ursachen unserer Unbeliebtheit in der Welt: „Ils travaillent trop“, sie arbeiten zuviel.
In der Tat sehen wir in einem ressourcenarmen Land mit einer geradezu erbarmungswürdigen geopolitischen Lage im Interesse unseres puren Überlebens den Sinn des Lebens in der Arbeit. Andere haben in dieser Hinsicht eine andere Philosophie und ziehen es vor, zu arbeiten, um zu leben. Verständlich daher, daß unsere Arbeitsbesessenheit für unsere Nachbarn eine glatte Herausforderung darstellt. Sie sind immer gezwungen, sich an unseren Leistungen und Erfolgen zu messen. Dabei läßt es sich nicht verhindern, daß sie in der Regel den kürzeren ziehen. Wir können es uns einfach nicht leisten, in einem Land mit einer derart hohen Bevölkerungsdichte die Hände in den Schoß zu legen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Mit ihrem Senkrechtstart als Industrienation hatten die Deutschen mit der unerbittlichen Gegnerschaft der Engländer zu rechnen. Zwar hatte Bismarck unmittelbar nach der Reichsgründung das Reich für „saturiert“ erklärt. Doch für die Engländer war jeder, der auf den Weltmärkten ihre Kreise störte, bereits ein potentieller Feind. Aus diesem Grunde hatten sie zuerst gegen Spanien und Portugal und später gegen die Holländer und Franzosen gekämpft. Als dann die wachsende deutsche Flotte den Engländern zu übermächtig wurde, war der Eklat nicht mehr aufzuhalten. Natürlich betrachtete man auch sonst in der Welt den deutschen Parvenü, der nun in der Weltpolitik mitzumischen begann und auf dem diplomatischen Parkett nicht gerade eine imponierende Figur abgab, mit wachsendem Unwillen. Unsere naive Selbstsicherheit beunruhigte unsere Nachbarn merklich. Dabei nahmen wir die Giftpfeile, die sie auf uns richteten, gar nicht einmal ernsthaft zur Kenntnis. Gleichwohl konnte Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke (1800-1891) von der Tribüne des Reichstags aus schon bald nach der Reichsgründung feststellen, es läge in der Natur der Sache, daß uns unsere Nachbarn nicht lieben könnten. Man verfuhr nach der Devise „viel Feind, viel Ehr'“ und dachte, damit überleben zu können. Daß man auch in dieser Hinsicht einem Trugschluß aufsaß, sollte sich schon bald herausstellen. Das Recht der jungen Völker, das wir unausgesprochen anmeldeten, trug uns einen Prestigeverlust ein, der von unserem Hauptgegner England nicht ungeschickt hochgespielt wurde. Wir reagierten erst auf diese psychologische Einkreisungsdiplomatie, als es schon zu spät war und der uns aufgezwungene
Krieg eine unausweichliche Realität darstellte. Unsere Naivität verlieh uns einen Nimbus von Unangreifbarkeit. Verständlich daher, daß gerade die Juden als ältere Rasse, die bei ihren Gastvölkern immer ihre intellektuelle Überlegenheit voll ausspielen können, in einem solchen Land der aufgehenden Sonne gern ihre Zelte aufschlugen. Es gelang ihnen leicht, in Deutschland zu Reichtümern und zu einem proportional zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung erstaunlichen Einfluß zu gelangen. Trotz einer nationalen Katastrophe, wie sie vollkommener kaum hätte sein können, bewiesen die Deutschen sowohl nach dem Ersten als auch nach dem Zweiten Weltkrieg wieder einmal ihre sagenhafte Selbstverjüngungskraft und erhoben sich abermals wie ein Phönix aus der Asche. In einem Land der verbrannten Erde und einer totalen Demontage durch unsere Kriegsgegner meldeten sich die „Krauts“ bald wieder als Handelspartner zur Stelle und erzeugten in unseren Tagen durch die Wiedervereinigung ihres gespaltenen Landes eine geradezu hysterische Panik, die wir nicht mit der uns längst zur Gewohnheit gewordenen Nonchalance einfach wegstecken sollten. Symptomatisch in jedem Fall, daß sich mit dem Vollzug dieses historischen Ereignisses unsere alten Intimfeinde wieder ungeschminkt zu Wort meldeten und ihre alten, nur aufgefrischten Parolen ertönen ließen, um die Stimmung gegen ein erstarktes Deutschland anzuheizen. Wie immer in solchen Fällen lieferten unter anderem jüdische Publizisten in den USA und anderswo wieder einmal die griffigen Stichworte, an denen sich der Deutschenhaß rings um die Welt von neuem entflammen konnte. Wer schon geglaubt hatte, wir hätten uns durch ansehnliche Wiedergutmachungsmilliarden von den Sanktionen unerbittlicher Juden freigekauft, sah sich nun schmählich getäuscht. Von neuem wurde unisono zum Halali auf Deutsche geblasen, denen die Geschichte ein wenig Fortune zugespielt hatte. Sie hatten sich im letzten halben Jahrhundert wie brave Musterschüler in Sachen Demokratie aufgeführt und in den Augen der Weltöffentlichkeit keinerlei Anlaß zur Klage oder zum Stirnrunzeln der Weltgouvernanten geboten. Unsere Obertanen waren von Land zu Land gejettet und hatten ihren Gesprächspartnern gegenüber pflichtgemäß die Unterwürfigkeit an den Tag gelegt, die man offenbar von ihnen erwartete. Die Haltung absoluter Devotion war ihnen so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, daß sie nicht einmal mehr spürten, wie sehr sie sich in der peinlichen Rolle von vaterlandslosen Lakaien gefielen. Nun sah sich die uns umgebende Welt mit einem Male aus ihrer Lethargie aufgeschreckt, um das „souverän“ gewordene Deutschland um jeden Preis bis in alle Ewigkeit im Zustand der Hörigkeit eines Koloniallandes zu belassen. Die Tatsache, daß wir heute wieder eine Wirtschaftsmacht ersten Ranges darstellen und somit den Neid des Auslandes provozieren, macht unsere politische Position in einer in Bewegung geratenen Welt nicht gerade unkomplizierter. Im Zuge unseres totalen Konsumismus, der originelle Gedanken zu ersticken scheint, haben wir bereits großzügig auf den „Point d’honneur“ verzichtet und sind bereit, selbst faustdicke Geschichtslügen, die über uns verbreitet werden, widerspruchslos zu akzeptieren. Offenbar haben wir herausgefunden, daß es sich mit ihnen besser leben läßt, als wenn man etwa als ein zweiter Michael Kohlhaas der Gerechtigkeit und der reinen geschichtlichen Wahrheit nachjagen würde. Unser Verhältnis zur eigenen Geschichte ist ohnehin zu unterkühlt, als daß die unzumutbaren Geschichtsmärchen ausländischer, vor allem aber auch deutscher Historiker uns aus dem seelischen Gleichgewicht bringen könnten. Wir können den Makel des „häßlichen Deutschen“ offenbar ohne alle Emotionen ertragen. Die Exzesse des Deutschenhasses, von denen die Presse, wenn überhaupt, nur mit aller Dezenz berichtet, scheinen uns jedenfalls nicht um unsere seelische Balance zu bringen. Der bei uns bis zum Weißbluten praktizierte modische Liberalismus hat wenigstens den Vorteil, daß er trotz allem eine aufgeheizte euphorische Stimmung verbreitet, der wir uns hingebungsvoll ausliefern, ohne die Folgen zu bedenken, die wir uns mit diesem saumseligen Laisser-faire einhandeln. Die schrille und disharmonische Begleitmusik, mit der vor allem ausländische Meinungsmacher die so überraschend eingetretene deutsche Wiedervereinigung begleitet haben, sollten wir keineswegs als verspätete und nicht so recht ernst zu nehmende Ausbrüche des altbewährten Deutschenhasses, den eine hochneurotische und an den Wahnideen erkrankte Welt von Zeit zu Zeit mit naßforscher Dreistigkeit artikuliert, niedriger hängen. Eine aus den Fingern gesogene deutsche Miserabilität wird dramatisch hochstilisiert. Mit dem unfairen Mittel weltweiter Hetzkampagnen versucht man uns Aufsteigern wieder einmal am Zeuge zu flikken. In einem deprimierenden Schauspiel tobt sich in unseren Musterdemokratien, die die Toleranz zur ersten Bürgerpflicht erhoben haben, ein Rassismus aus, dessen eigentliche Ursache nicht zum ersten Mal der schiere Haß gegenüber einer sich regenden Volksseele ist, die anders als die eigene ist. Der ewige Deutsche wurde immer schon als eine fragwürdige Inkarnation des unsterblichen Parzifal empfunden, des reinen, aber eben auch tumben Toren im Narrengewand, der seinen Gegenspieler nur in Ahasver, dem ewigen Juden, gefunden hat. Auch daran hat sich nicht das Geringste geändert, daß beide den Haß der Welt auf sich konzentrieren. Im Grunde verkörpern sie nämlich zwei Extreme menschlicher Möglichkeiten. Der Deutsche erfüllt in seiner fast sträflichen Blauäugigkeit alle Voraussetzungen, den Prügelknaben der Welt abzugeben, von dem man keine drastischen Repressalien zu erwarten hat. Aus seiner fatalen Neigung zur nationalen Selbstverstümmelung haben seine Nachbarn immer schon reichlich Kapital schlagen können. Während wir gegenüber anderen bis zur Selbstpreisgabe aufgeschlossen sind, betreiben wir eine Inländerfeindlichkeit, die streckenweise die Grenzen der Normalität überschreitet. Ein besonders drastisches, dafür aber sehr anschauliches Beispiel für eben diese Grenzüberschreitung lieferte erst unlängst der frühere Redakteur der linksalternativen Berliner „tageszeitung“ und heutige Autor des Frankfurter Satire- Magazins „Titanic“, Wiglaf Droste. „Wenn ca. 100 Millionen Asylanten, egal wie arm, krank und kriminell sie immer sein mögen, aufgenommen und gleichwertig und anständig behandelt worden sind“, schrieb Droste in einem keineswegs satirisch gemeinten Artikel,“ dann darf an einem Kneipentisch ein Besoffener einmal leise seine Überfremdungsbeschwerden führen – aber keinen Tag eher. Die Deutschland-den-Deutschen! – Deutschen … haben den Rand zu halten und sich nicht zu mopsen. Tun sie es doch, gehören sie – ja doch! – deportiert, an den dunkelsten, kältesten und elendesten Ort, der sich in diesem Universum finden läßt. Dort dürfen sie dann in der Scheiße, die sie im Kopf haben, ersaufen.“ Schlimmer noch als in diesen Sätzen kann der abgrundtiefe Haß auf das eigene deutsche Volk wohl kaum noch zum Ausdruck kommen. Keine Frage also, daß uns das Talent einer beeindruckenden Selbstdarstellung mit Sicherheit nicht gegeben ist. Daran hindert uns neben unserer Naivität auch ein unterentwickeltes Selbstwertgefühl. Bei der Durchsetzung existentieller nationaler Belange in der Welt stellen wir in der Regel stets unser Licht unter den Scheffel. Man würde jedoch einen unverzeihlichen psychologischen Fauxpas begehen, wollte man die Abneigung und Feindschaft, die uns aus allen Regionen der Welt wieder einmal entgegenschlägt, als Folge der vergangenen Kriege verbuchen, die man uns einseitig in die Schuhe schiebt. Schon Max Scheler hatte während des Ersten Weltkrieges einer solchen These mit aller Entschiedenheit widersprochen.
„Nicht der Krieg hat den Haß hervorgebracht“, hämmerte er den von der Feindpropaganda eingeschüchterten Deutschen damals ein, „sondern der längst überall glimmende und nur nicht offen zum Ausbruch kommende Haß gegen deutsches Wesen in all seinen Erscheinungsformen hat zumindest die seelischen Dispositionen und Gemütslagen bei den Völkern geschaffen, die bei den Führern der Völker die Entschließungen zum Krieg möglich, und darum notwendig machten.“
Man hat sich schon lange vor Beginn der beiden Weltkriege, die auf das Konto des Deutschenhasses entfallen, das Volk Dürers, Luthers, Bachs, Goethes, Schillers, Hegels und Beethovens in die weltbekannten „deutschen Barbaren“, in „Boches“ und „Huns“, umstilisiert, die man bis aufs Blut zu bekämpfen habe, um die Menschheit von dieser Geißel zu befreien. Die Folge dieser gezielten Deutschenhetze, die vor allem von England ausging, war eine fulminante Kreuzzugsstimmung, die im Grunde nur einem Gefühl hilfloser Unterlegenheit entsprang. Erstaunlicherweise hat der englische Captain Russell Grenfeil in seinem Buch mit dem programmatischen Titel „Bedingungsloser Haß“ den fanatischen Deutschenhaß englischer Politiker dieses Jahrhunderts schon 1954 minuziös aufgeblättert. Er nahm damit eigentlich deutschen Historikern die von ihnen zu bewältigende Arbeit vorweg, indem er notorische Kriegstreiber wie Edward Grey, Vansittart und Churchill gnadenlos vors Tribunal zitierte. Ihr mit Heuchelei und unerträglicher moralischer Arroganz gemischter Haß gegen alles Deutsche hat unserem Jahrhundert immerhin zwei mörderische Weltkriege beschert, ohne daß unsere Gegner ihr eigentliches Ziel, die völlige Vernichtung Deutschlands, damit erreicht hätten. Als Fazit seiner immer noch lesenswerten Dokumentation schrieb Russell Grenfell seinen Landsleuten und mit ihnen allen Deutschenhassern in der Welt folgende beherzigenswerte Weisheit ins Stammbuch: „Will man mit einer Nation in Frieden und Freundschaft leben, so gilt als erste Voraussetzung, daß man ihre Selbstachtung nicht verletzt.“
Kapitel II:
Ursprünge und Ausmaß des Deutschenhasses
1. Frankreich
Die inzwischen abgeblasene sogenannte deutsch-französische Erbfeindschaft basierte weniger auf dramatischen Grenzkonflikten, die es allerdings auch reichlich gab, als offenbar auf einer oft gravierenden Heterogenität der beiden Volkscharaktere. Den offenen Ausbruch der gegenseitigen Feindseligkeiten datiert man im allgemeinen mit dem Westfälischen Frieden von 1648, der eine nahezu über 800 Jahre bestehende Grenze einseitig zu Gunsten der Franzosen drastisch nach Osten verschob. Zumindest seit den Tagen des Kardinals und späteren Ministers Ludwigs XIII., Armand Jean Richelieus (1585-1642), führte sich die französische Politik betont antideutsch auf, und zwar mit dem Ziel, die Vereinigung der deutschen Länder in einen übermächtigen Großstaat in der Mitte Europas, der die Machtverhältnisse auf dem Kontinent in einer für Frankreich unerträglichen Weise verschoben hätte, um jeden Preis zu verhindern. Dementsprechend suchte man engere Kontakte mit dem Zarenreich, um Deutschland mit dem Schreckgespenst eines möglichen Zweifrontenkrieges einzuschüchtern und es vor politischen Experimenten zu warnen. Immerhin können die Franzosen den zweifelhaften Ruhm für sich beanspruchen, im Laufe ihrer Geschichte mehr als zwanzig Invasionen in benachbarte deutsche Territorien unternommen zu haben. Sie haben bei diesen Gewaltmaßnahmen in der Regel ein Land verbrannter Erde zurückgelassen. Die Zerstörung des Heidelberger Schlosses etwa entfällt ebenso auf ihr Konto wie auch die Schändung der Kaisergräber im Speyrer Dom. All diese Irritationen im deutsch-französischen Verhältnis waren das Ergebnis einer betont aggressiven französischen Politik, die darauf hinauslief, den unüberschaubaren Koloß jenseits des Rheins durch immer neue Spaltungen auf die Dauer politisch aktionsunfähig zu machen. Von all diesen trüben Erfahrungen mit dem Nachbarn zur linken blieb in sensiblen deutschen Gemütern natürlich ein Trauma zurück, das man auch durch fromme Friedenslitaneien, die bekanntlich nichts kosten, bis auf unsere Tage hin nicht so leicht aus der Welt schaffen konnte.
Wahrscheinlich unvergleichlich mehr noch als diese kriegerischen Eskapaden des französischen Imperialismus, der sich auf deutschem Boden austobte, reagierten die biederen Deutschen auf die für sie so aufreizende Leichtlebigkeit und Laszivität ihrer Nachbarn im Westen. Sie hatten bald herausgefunden, daß die Franzosen die Kunst des Lebens, das „Savoir-vivre“, besser als sie selbst beherrschten. Diese arbeiteten offenbar nur, um leben zu können, während die Deutschen der Not gehorchend nach der Maxime verfuhren, zu leben, um zu arbeiten und womöglich Höchstleistungen zu vollbringen. Wenn Max Scheler, den Ursachen des Deutschenhasses nachforschend, eine einschneidende „romanisch-germanische Rassenfremdheit“ feststellen zu können glaubte, so konnte er auch darauf hinweisen, daß die Franzosen bei ihren östlichen Nachbarn in dem nicht gerade für sie schmeichelhaften Ruf der Unzuverlässigkeit standen, während die Franzosen ihrerseits nun wieder die Schwerfälligkeit und Formlosigkeit der Deutschen zu monieren fanden. Die „Grande Nation“, zu der sich die Franzosen auf Grund ihrer politischen und kulturellen Leistungen selbst ernannt hatten, indiziert eine nicht geringe Eitelkeit und den Anspruch, zumindest in Europa keine andere als die erste Rolle auf allen Lebensgebieten zu spielen. Gleichwohl: Der Begriff des „Welschen“ ist in unserem Sprachgebrauch über die Jahrhunderte hin mit einem durchaus negativen Vorzeichen versehen gewesen. Man hat sich zumindest seit den Tagen des Rokoko bei uns daran gewöhnt, das „Welsche“ als Synonym für alles Frivole und Laszive zu betrachten. Eben solche Eigenschaften aber waren es, die wackere Deutsche am meisten verabscheuten. Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) hat daher auch bezeichnenderweise in seinem Preußendrama „Minna von Barnhelm“, gedruckt 1767, in dem französischen Spieler Riccaud de la Marliniere eine ebenso köstlich gezeichnete wie sicher zutreffende Charakterstudie eines für uns Deutsche prototypischen Franzosen abgeliefert. Dieser Lebenskünstler hat das Image des Franzosen bei uns zulande eigentlich bis heute mitgeprägt, ohne daß man markante Korrekturen daran vorgenommen hätte. Nach der Französischen Revolution und der Napoleonischen Ära, der die Deutschen überhaupt erst so etwas wie ein Nationalbewußtsein verdankten, erstarkte unsere deutsche Identität vorwiegend am Feindbild des Franzosen, in dem man den lästigen Friedensstörer des deutschen Gartenlaubenidylls zu erkennen glaubte. Der Haß auf den französischen Artillerieleutnant, der mit seiner „Grande armee“ ganz Europa mit einem mörderischen Krieg überzog und die Europäer versklavte, nahm schließlich auch bei den verschlafenen Deutschen geradezu fulminante Formen an. Ernst Moritz Arndt (1769-1860) verfaßte damals seine unwiderstehlichen Flugschriften und Lieder, um seine Landsleute gegen den offenbar unbesiegbaren Invasor zu mobilisieren, und Heinrich von Kleist (1777-1811) sah sich von der Versklavung des Vaterlandes in eine durchaus schöpferische Rage versetzt, so daß man seine antifranzösischen literarischen Exzesse heute nur noch als peinliche Dokumente eines losgelassenen deutschen Chauvinismus wertet. Die Aufforderung etwa, auf alle „Franzmänner“ mit der Keule einzuschlagen und ihren Kaiser wie einen räudigen Hund zu töten, kann man nur aus der ungewöhnlich heftigen Turbulenz jener Tage heraus verstehen. Auch Ernst Moritz Arndt nahm kein Blatt vor den Mund und versuchte, Deutsch zu sprechen. In seiner Kampfschrift von 1813 „Der Rhein, Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze“ machte er sich zum Anwalt aller Deutschen und sprach das aus, was ihnen damals so sehr auf der Seele brannte. Kleist aber, der nach Paris aufgebrochen war, um sich an der vielgerühmten französischen Kultur zu delektieren, brach bereits nach einem Vierteljahr seine Zelte in der Lichterstadt wieder ab. Die „hervortretende Sittenverderbnis“ an der Seine divergierte augenscheinlich allzu kraß mit seiner Vorstellung von „deutscher Herzensreinheit“. Dem französischen Imperialismus, der immer auf eine Annektion des Landes zumindest bis an den Rhein tendierte, kommt immerhin das so nicht vorgesehene Verdienst zu den Deutschen zu einem gewissen nationalen Selbstwertgefühl verholfen zu haben.
Im übrigen aber brauchten diese ihre Empfindung, in den Franzosen ihren natürlichen Feind zu erblicken, gar nicht erst zu kultivieren. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts hatten sie allen Grund, um ihren Rhein zu zittern, als dessen Hüter sich viele Patrioten, die ihren „Ruf wie Donnerhall“ anstimmten, fühlten. Als die Franzosen dann ihre Revanchegelüste wegen des verlorengegangenen Elsaß-Lothringens an den „Boches“ abreagierten, nahmen die Feindseligkeiten auf französischer Seite geradezu unerträgliche Hitzegrade an. Deutschland hatte sich im Zuge des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 als verspätete Nation als Nationalstaat mitten in Europa etabliert. Der „Großen Nation“ war damit ein Rivale erstanden, mit dem man im Ernstfall zu rechnen hatte. Das Bismarckreich blieb ein Phantom, mit dem sich die Franzosen keineswegs resigniert abfinden konnten. Man fühlte sich der kompakten jugendlichen Kraft des inkarnierten preußischen Ethos, das man verabscheute, hoffnungslos unterlegen. Im peinigenden Gefühl dieser Ohnmacht formulierte der „Tiger“ Clemenceau sein offenes und vielzitiertes Wort von den zwanzig Millionen Deutschen, die es zuviel auf der Welt gäbe. Über die dezidiert antideutsche Stimmung nach dem verlorenen Krieg berichtete sehr überzeugend damals Ernest Renan (1823-1892), einer der profiliertesten französischen Intellektuellen jener Zeit. Er gab seine Eindrücke über die explosive Stimmung im damaligen Frankreich gegenüber Deutschland unverblümt zu Protokoll. In diesem Stimmungsbericht vom seelischen Tief einer geschlagenen stolzen Nation tauchen dann bereits so unmißverständliche Passagen wie „Haß bis auf den Tod“ oder „Vertilgungskampf gegen die germanische Rasse“ auf. Dergleichen hochgeputschte Emotionen deuteten bereits die Richtung an, in der sich das Schicksal Europas und der Welt auf eine schreckliche Weise erfüllen sollte. Im gleichen Maße, in dem das neue Reich an politischem Einfluß und wirtschaftlicher Kapazität in der Welt gewann, steigerte sich in Frankreich der Haß auf die Deutschen, die ihnen eine geliebte Provinz abgejagt hatten, ins Unerträgliche. Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) war das herausragende Ziel dieses Deutschenhasses, der in Frankreich monomanische Formen annahm. Auf ihn schoß sich die französische Presse ein und deckte ihn mit polemischen Breitseiten ein, um ihren Lesern die ganze deutsche Verworfenheit vor Augen zu führen. Schon die Nennung seines Namens genügte vor dem Ersten Weltkrieg, um die temperamentvollen und leicht entzündbaren Franzosen in Raserei zu versetzen. In seinem 1943 posthum erschienenen Erinnerungsbuch „Die Welt von gestern“ schildert Stefan Zweig (1881-1942) seinen Besuch in einem Kino in Tours, wo für eine Sekunde in einer Wochenschau der deutsche Kaiser auftauchte. „In diesem Augenblick, da der Kaiser im Bild erschien“, heißt es bei Zweig, „begann ganz spontan im dunklen Raum ein wildes Pfeifen und Trampeln. Alles schrie und pfiff, Frauen, Männer, Kinder höhnten, als ob man sie beleidigt hätte. Die gutmütigen Leute von Tours, die doch nicht mehr von der Panik in der Welt wußten, als was in ihren Zeitungen stand, waren für eine Sekunde toll geworden. Ich erschrak. Ich erschrak bis tief ins Herz hinein. Denn ich spürte, wie weit die Vergiftung durch die seit Jahren geführte Haßpropaganda fortgeschritten sein mußte.“ Raymond Poincare (1860-1934), selbst gebürtiger Lothringer, proklamierte als einer der führenden Politiker des Landes den Deutschenhaß als erste Bürgerpflicht. Als Ministerpräsident und Außenminister (seit 1912) sowie ein Jahr später als Staatspräsident Frankreichs in führender Position ließ er es dann selbstverständlich nicht bei bloßen Androhungen von Repressalien gegenüber dem Erzfeind bewenden. Man hatte noch eine gehörige Rechnung mit den Deutschen zu begleichen. Daher stimmte Frankreich bedenkenlos mit in die von England initiierte antideutsche Propaganda ein, um das wachsende Prestige des europäischen Emporkömmlings zu untergraben und die „Boches“ schließlich in einem offensichtlich unvermeidbaren Krieg von noch unvorstellbaren Ausmaßen in die Knie zu zwingen. Natürlich waren an der psychologischen Vorbereitung einer endgültigen kriegerischen Abrechnung mit den deutschen Barbaren vor allem die französischen Intellektuellen maßgebend beteiligt. Zu ihnen zählt etwa auch der damals in Deutschland zu Ruhm und Ansehen gelangte belgische Literaturnobelpreisträger Maurice Maeterlinck (1862-1949). Die Mühe dieser Kriegstreiber zahlte sich dann auch voll aus. Mit der Zeit waren die französischen Massen nämlich auf den Ernstfall psychologisch bestens vorbereitet. Aber auch sonst hatte man keine Zeit verstreichen lassen, um die Aufrüstung mit einer geradezu infernalischen Energie zu betreiben. Bei gleicher Bevölkerungszahl hatten die Franzosen eine mehr als anderthalbfach große Armee aufgebaut, die man weiß Gott nicht nur für Paraden auf den Pariser Avenuen oder für die Defensive vorgesehen hatte. Gegen besseres Wissen hatten die französischen Propagandisten im Zuge ihrer antideutschen Stimmungmache sogar die Stirn, die Parole vom deutschen Militarismus in alle Welt hinausgehen zu lassen. Nach dem meteorhaften Aufstieg der deutschen Wirtschaft während der Gründer jähre und den verzweifelten Anstrengungen Großbritanniens, Deutschland, das ihm so gründlich das Konzept einer Monopolstellung auf den Märkten der Welt verdorben hatte, in aller Welt zu diskreditieren, schwenkte schließlich auch das revanchelüsterne Frankreich in die antideutsche Front einer sich bildenden Entente ein. Als symptomatisch für diese neue Welle des Antigermanismus kann die betont deutschfeindliche Haltung des französischen Lyrikers Paul Valery (1871-1945) gelten, der die deutschen Erfolge in einer Symbiose von preußischem Ethos und wirtschaftlicher Perfektion aufzudecken sich alle Mühe gab. Ganz in diesem Sinne sah er eine alarmierende Gefahr nicht nur für Frankreich, sondern für die gesamte europäische Umwelt, die diesen Ausbunden an Disziplin, Fleiß und Präzision nichts auch nur annähernd Gleichwertiges entgegenzustellen hatte. Kaum zu glauben: Während des Ersten Weltkrieges saß Valery völlig unkritisch den plumpen und allzu durchsichtigen Greuelmärchen der alliierten Presse auf. Selbst die Mär von den von deutschen Soldaten abgehackten Händen belgischer Kinder, die sich ein schon reichlich perverser Antiteutonismus hatte einfallen lassen, übernahm der Dichter als schlagkräftiges Argument in sein deutschfeindliches publizistisches Repertoire. Die von England aus geschickt lancierte Deutschenhetze hatte also ihre Früchte getragen. Kein Wunder, daß dann in Versailles der Deutschenhaß über sein Ziel hinausschoß und man hier einen Friedensvertrag diktierte, der schon den nächsten Krieg vorprogrammierte. Immerhin verdanken wir dem Nachdenken Paul Valerys über Deutschland und die Deutschen einige wertvolle Streiflichter auf Ursachen und Entstehung des Deutschenhasses. Er glaubte nämlich herausgefunden zu haben daß die Deutschen ihren weltpolitischen Aufstieg keineswegs ihren militärischen Siegen verdankten, sondern allein ihren wirtschaftlichen Erfolgen, die keine Nation zu überbieten imstande wäre. Valery ließ dann die Katze seines Mißbehagens vollends aus dem Sack, als er vor allem die deutsche Disziplin verteufelte, die er schlechtweg für einen irreversiblen Charakterfehler der Nachbarn hielt, „der Engländern und Franzosen das Widerwärtigste auf der Welt“ ist. Als der so lange angestaute Deutschenhaß der Franzosen sich dann, als die Deutschen im Ersten Weltkrieg endlich einer 25fachen Übermacht erlegen waren, im Versailler Diktat hemmungslos und ohne Rücksicht auf die zu erwartenden Folgen austoben konnte, programmierte man bereits neues Unheil. Selbst weiterblickende Franzosen waren sich bei Abschluß dieses sogenannten Friedens im klaren darüber, die Folgen der betont demütigenden Behandlung der Deutschen könnten nur verheerend sein. Der französische Ministerpräsident Georges Clemenceau (1841-1929), dem in Hinblick auf die Deutschen nur das Apercu einfiel, man könnte sie wie tolle Hunde entweder nur töten oder an stählerne Ketten legen, sprach bereits Anfang 1919 vor den Offiziers-Schülern von St. Cyr die vielsagenden Worte: „Meine jungen Freunde, seien Sie ohne Sorgen über Ihre militärische Zukunft. Der Frieden, den wir soeben geschlossen haben, sichert Euch zehn Jahre der Konflikte in Europa.“ Im Juni 1921 präzisierte er seine Absicht auf folgende Weise: „Dieser Krieg war nur die Vorbereitung. Die Vernichtung des deutschen Volkes fängt erst jetzt an.“ Dementsprechend diente Hitler achtzehn Jahre später den französischen Falken nur als Vorwand und Auslöser eines neuen Weltkrieges. Selbst der Oberbefehlshaber der alliierten Armeen in Frankreich, Marschall Foch, der im November 1918 gegenüber der deutschen Delegation die vorbehaltlose Annahme der Bedingungen eines Waffenstillstandes erzwang und der die Lage wie kaum ein anderer überblickte, formulierte kurz darauf seine Prognose für die nächsten Jahre folgendermaßen: „Das ist kein Friede. Das ist nur ein Waffenstillstand für zwanzig Jahre.“ Bis auf das Jahr genau behielt er Recht mit seiner Vorhersage. In der Tat: Niemand hätte allen Ernstes annehmen können, eine so bedeutende Nation wie die deutsche würde über Jahrzehnte hin mit dem schmerzenden Trauma von Versailles leben können. Noch nie waren nach allgemeiner Meinung Besiegte so aufreizend erniedrigt worden wie die Deutschen, die man als Alleinschuldige am Kriegsausbruch vor ein Tribunal zitiert hatte, vor dem sie nur ein Ultimatum zu unterschreiben hatten. In der Verblendung ihres namenlosen Hasses hatten die Alliierten den wohl folgenreichsten politischen Fauxpas des Jahrhunderts begangen: die Schaffung des Polnischen Korridors und der Freien Stadt Danzig, um derentwillen sie dann zwei Jahrzehnte später noch einmal in den Krieg ziehen mußten. Daß der Verlust der elementarsten nationalen Würde einem deutschen Diktator mit fast zwingender Logik den Weg zur Macht bahnen mußte, hat man wenigstens im nachhinein einzusehen gelernt. Bei allen Schandtaten, die man Adolf Hitler anhängt, läßt sich trotz aller Geschichtsverdrehungen kaum leugnen, daß er geradezu verzweifelte Anstrengungen unternahm, das deutsch-französische Verhältnis zu stabilisieren. Er wollte den Begriff der Erbfeindschaft außer Kurs setzen und ihn durch den Terminus „Brudervolk“ ersetzt sehen. Das gelang ihm bekanntlich nicht, obwohl er den Franzosen alle erdenklichen Konzessionen machte und im Zuge seiner Befriedungspolitik auf Elsaß-Lothringen verzichtete. Von einer Revanche, für die unsere deutsche Volksmentalität ohnehin nicht disponiert zu sein scheint, war damals keine Rede mehr. Im Gegenteil veranstaltete man Verbrüderungstreffen von ehemaligen Frontsoldaten und sorgte für die Fraternisierung der Jugend beider Völker. Daß die Franzosen dann im Gefolge einer kurzsichtigen Garantieerklärung für die kriegslüsternen Polen fast gegen ihren eigenen Willen in einen neuen Krieg mit Deutschland hineinschlitterten, gehört zu den tragischen Verwicklungen und Imponderabilien der Weltgeschichte. In der Tat empfand man links des Rheins im Jahre 1939 nur wenig Neigung, für Danzig zu sterben. Dieser begreiflichen Lustlosigkeit des französischen Poilu an der Verteidigung fremder Interessen hatte das Land mit einer seiner verheerendsten Niederlagen zu bezahlen. Während Hitler sich als „Eisbrecher“ dem Termitenwahn eines alles nivellierenden Bolschewismus entgegenwarf, waren es dann immerhin einige Entschlossene aus der Elite der französischen Jugend, die sich in der Division „Charlemagne“ zusammenschlössen, um Seite an Seite mit ihren deutschen Kameraden die Werte des alten Europa zu verteidigen. Zweifellos gehört die von Frankreichs früherem Staatspräsidenten Charles de Gaulle (1890-1970) und dem ersten deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer (1876-1967) initiierte neue „deutsch-französische Freundschaft“, die so ganz und gar dem merowingischen Konzept des ersten Kanzlers dieser Republik entsprach, zu den erfreulichsten zwischenstaatlichen Gesten im Europa der Nachkriegszeit. Außenpolitisch blieb man allerdings vorwiegend auf Washington fixiert und erwärmte sich in diesem Lande mehr für „McDonalds“ und „Fast-food“ als für Mitterands Europakonzept. Ihre letzte Zerreißprobe muß die sich anbahnende europäische Solidarität aber erst noch bestehen. Bedauerlicherweise fielen die Pariser Kommentare zur deutschen Wiedervereinigung nicht gerade ermutigend aus. Der Beitritt Mitteldeutschlands zur Bundesrepublik und die damit verbundene stärkere Ostorientierung lösten in Frankreich wahre Alpträume aus. Man sah sich in Europa an den Rand des politischen Geschehens versetzt. Ob die in den nächsten Jahren anstehende Europäisierung der alten und traditionsreichen Nationalstaaten in der Lage sein wird, natürliche ethnische Gegensätze auszugleichen und verhärtete Traditionen aufzuweichen, wird erst die Zukunft erweisen können. Trotz aller gutgemeinten Beteuerungen einer relativen Konfliktlosigkeit in den deutsch-französischen Beziehungen finden deutsche Leser aber zu ihrem Entsetzen in französischen Zeitungen immer noch die alten verzeichneten Darstellungen der Deutschen, in denen sie sich beim besten Willen nicht wiedererkennen. Immer noch wird der große Nachbar im Osten in einem Gefühl anvisiert, das zwischen Neid und Bewunderung, Furcht und Mißtrauen schwankt. Immer wieder auch fällt das Deutschlandbild des durchschnittlichen Franzosen trotz eines halben Jahrhunderts demokratischen Wohlverhaltens in die alte Schablonenhaftigkeit zurück, die man längst für überholt gehalten hatte. Eine angebliche Unberechenbarkeit der Deutschen muß immer wieder als Vorwand dienen, keine Korrekturen am längst überholten Stereotyp des Deutschlandbildes vorzunehmen. Bei der zynischen Marginalie des französischen Schriftstellers Francois Mauriac (1885-1970), er liebe Deutschland so sehr, daß er sich für immer zwei davon wünsche, handelt es sich mit Sicherheit nicht nur um die ehrliche Überzeugung eines geistreichen Einzelgängers. Im Zuge der deutschen Teilvereinigung stellte sich heraus, daß man in der Anwendüng des Selbstbestimmungsrechts der Völker gegenüber den Deutschen trotz aller Beteuerung demokratischer Untadeligkeit eine unrühmliche Ausnahme zu machen imstande wäre. Sowohl den spektakulären deutschen Wirtschaftsaufschwung als auch die inzwischen vollzogene deutsche Wiedervereinigung konnten die Franzosen nicht affektlos wegstecken. Wieder einmal hätschelte man das längst für eingemottet gehaltene Feindbild des „unruhigen Deutschen“, das man wohl nur schwer aus der Vorstellungswelt der Franzosen ausmerzen kann. Der jahrzehntelang erbrachte Gegenbeweis unseres guten Willens und unserer Friedensbereitschaft hat augenscheinlich nicht ausgereicht, das Image des häßlichen Deutschen durch ein strahlenderes und sicher auch realistischeres Bild zu ersetzen. Natürlich betrieb auch Frankreich wie die meisten Verbündeten anläßlich der Wiedervereinigung ein rhetorisches Verwirrspiel, das arg mit den vorherigen Freundschaftsbeteuerungen kollidierte. Man erblickte in diesem historischen Ereignis, das eine ganze Geschichtsepoche abschloß, so etwas wie eine Durchkreuzung des eigenen gesamteuropäischen Kalküls und zierte sich ungemein, die Grundsätze des Selbstbestimmungsrechts der Völker auch auf Deutschland anzuwenden. Das über viele Jahre hin entwickelte Europa-Konzept unserer NATO-Partner geriet mit einem Male gehörig ins Wanken. Zugleich erhielt die immer wache antideutsche Propaganda wieder einmal einige neue Impulse und steigerte sich in eine Hysterie, die die europäische Stabilität bedroht sah. Man kokettierte bereits – und das nicht nur in Paris — mit einem neuen Mini-Versailles. Profilierte französische Politiker setzten sich über alles Völker- und Menschenrecht hinweg und plädierten für ein zwar nicht juristisches, wohl aber für ein realpolitisches Veto Europas gegen die Wiedervereinigung. Frankreichs sozialistischer Staatspräsident Frangois Mitterrand forderte als Voraussetzung für die Wiedervereinigung die Zustimmung der Schutzmächte, also aller Staaten, mit denen sich Deutschland vor fünfzig Jahren im Kriegszustand befunden hatte. Zugegeben, das landläufige Bild der neudeutschen Konsumenten, die mit ihren Nobelkarossen die französischen Autobahnen durchrasen, als Touristen französische Seebäder bevölkern und ausgiebig am Pariser Nachtleben partizipieren, ist nicht gerade ermutigend. Wie aber auch sollte die Umwelt die Deutschen in einem Augenblick in einem wesentlich positiveren Licht sehen, in dem sie einem geradezu schwachsinnigen Nationalmasochismus huldigen und offenbar nicht die beste Meinung von sich selbst haben? Andererseits wirkt wiederum der geradezu neurotische deutsche Arbeitseifer auf die Franzosen nicht gerade anziehend. Man empfindet diese „Moneymaker“, die sich auf die Jagd nach dem schnellen Geld begeben haben, nicht anders, als Churchill sie sich vorstellte: reich, aber impotent. Im übrigen beweist sich wieder einmal, daß aus den Köpfen der Menschen nichts schwerer zu vertreiben ist als festgefahrene Vorurteile. Es dürfte daher wohl noch eine gute Weile dauern, ehe sich auf Grund zwingender Realitäten einer neuen Zeitepoche die über Generationen hinweg betriebenen Exzesse einer antideutschen Propaganda abgeschliffen haben.

2. England
Vier Jahre nach Bismarcks Reichsgründung schrieb die englische Königin Viktoria (1819-1901) an ihre Tochter, die mit dem preußischen Kronprinzen verheiratet war und sich als entschiedene Gegenspielerin Bismarcks nie so recht für Deutschland und die Deutschen erwärmen konnte, die folgenden vielsagenden Sätze: „Die Preußen sind, wie Du wohl weißt, nicht beliebt. Niemand wird eine Macht dulden, die ganz Europa beherrschen möchte. Unser Land, obwohl es sein größter Wunsch ist, mit Deutschland Hand in Hand zu gehen, kann und will sich das nicht gefallen lassen.“ Damit war in lapidarer Kürze eine Haltung umschrieben, die in den Jahren, in denen das neue Reich zu einer respektvollen Wirtschaftsmacht aufstieg, für das deutsch-englische Verhältnis charakteristisch war. Der von englischen Pressemagnaten damals gehörig angeheizte Deutschenhaß enthielt schon in seinen Anfängen soviel Brisanz, daß es eines nicht allzu fernen Tages mit zwingender Logik zu einer militärischen Konfrontation kommen mußte. Der Überdruck der mit den Jahren angestauten antideutschen Affekte wurde für die Engländer immer unerträglicher. Am Ende dieser kaum zu verantwortenden Kampagnen stand dann der Erste Weltkrieg mit all seinen verheerenden Folgen. Die Queen hatte in der Tat keine Veranlassung gehabt, im Laufe ihrer langen Regentschaft auch nur den geringsten Anflug von Feindseligkeit gegenüber den Deutschen zu empfinden. Schließlich war sie mit einem deutschen Prinzen aus dem Hause Coburg verheiratet. Im übrigen waren die Deutschen in ihrem kontinentalen Provinzialismus mit dem englischen Imperialismus nie irgendwie in Kollision geraten. Sie waren zu sehr in sich selbst versponnen, als daß sie in einer Zeit, in der ihre Nachbarn die Welt unter sich aufteilten, irgendwelche außenpolitischen Ambitionen entwickelt hätten. Der vielbelächelte deutsche Michel spielte auf der Bühne des großen Welttheaters bestenfalls die Statistenrolle eines zwar sympathischen, aber politisch desinteressierten Trottels, den die Querelen der großen Welt nur wenig oder gar nicht zu berühren pflegten. Mit Leuten dieses Schlages ließ sich völlig komplikationslos leben. Mit ihnen konnte man auch, wie die Königin richtig bemerkte, „Hand in Hand“ gehen, solange sie nichts anderes als einen lediglich subalternen Part beanspruchten. Mit der biedermeierlichen Friedhofsruhe auf dem Kontinent war es nach den Erfolgen der Bismarckschen Realpolitik nun offenbar für immer vorbei. Nach den Siegen über Österreich (1866) und Frankreich (1870/71) war das neue Deutschland zwangsläufig zur führenden Macht auf dem Kontinent emporgestiegen. Im gleichen Maße aber, wie es als Großmacht und als wirtschaftlicher Faktor an Ansehen gewann, mußte es mit den nationalen Interessen der meerbeherrschenden Briten kollidieren, die traditionsgemäß ihre Speerspitzen stets gegen die stärkste Kontinentalmacht richteten, um die „Balance of power“ um jeden Preis zu erhalten. Damit aber hatte man dem neuen Reich bereits den Fehdehandschuh vor die Füße geworfen. Vom offenherzigen Bekenntnis der Königin Viktoria bis hin zu den deutschfeindlichen verbalen Exzessen des englischen Handelsministers Nicholas Ridley in unseren Tagen zieht eine einzige Spur von Aversion durch die englisch-deutschen Beziehungen. Die Panikstimmung, die der redselige Minister Ihrer Majestät gegen das wiedervereinigte Deutschland auslöste, liegt durchaus in der englischen Tradition. Immer wieder hatte das Deutschlandsyndrom die Inselbewohner um die Ruhe ihres Gemütes gebracht und ihnen wahre Alpträume beschert. Man muß dem geschaßten Handelsminister sogar dankbar sein, daß er wieder einmal die Katze des britischen Unbehagens aus dem Sack gelassen hatte. In seiner ausschweifenden Phantasie sah er die Franzosen bereits „wie die Pudel den Deutschen folgen“ und die Deutschen mit ihrer harten Mark wahre Gaunerstreiche verüben. Und wie immer, wenn den notorischen Deutschenhassern ihre Argumente ausgehen, kam auch bei dieser halbamtlichen und von der damaligen Premierministerin Margaret Thatcher abgesegneten Deutschenbeschimpfung der ominöse Ortsname Auschwitz ins böse Spiel.
Dazu noch dies: Vor dem Hintergrund der deutschen Teilvereinigung leistete sich die englische Regierung im März 1990 das tragikomische Schauspiel, sogenannte Deutschlandexperten zu einer Deutschland-Anhörung zusammenzurufen, um die wieder einmal aus altem Geschichtsgerümpel heraufbeschworene deutsche Gefahr wortreich zu Tode zu diskutieren. Es wollte den wackeren Briten, die heute niedergeschlagen auf ihrer abgeschirmten Insel ihrem entschwundenen Empire nachtrauern, offenbar nicht so recht in den Kopf, warum ausgerechnet die Deutschen wieder einmal alle wirtschaftlichen Rekorde brechen, während alle Welt mehr oder weniger am Rande eines politischen und wirtschaftlichen Abgrunds entlangbalanciert. Schon im Januar 1954 hatte der „Daily Express“ gehörig Alarm geschlagen, als er dem deutschen Auferstehungswunder auf die Spur zu kommen versuchte. „Die Fähigkeiten dieses Volkes sind verblüffend und furchteinjagend“, hatte er sich alteriert. „Innerhalb von dreißig Jahren haben sie zwei Kriege geführt, zwei Kriege, in denen sie die schrecklichsten Verluste an Menschen erlitten und ebenso katastrophale Zerstörungen an Eigenbesitz. Sie wurden mit Bomben und Sprengladungen zur Unterwerfung gezwungen. Sie haben sich Haß und Abneigung aller zivilisierten Menschen zugezogen. Heute haben sie nun einen Wohlstand und eine Stärke erreicht, mit der sie alle ihre Nachbarn überragen.“ Die deutsche Teilvereinigung hinterließ bei den Engländern das deprimierende Gefühl, den Krieg nun doch noch und zwar endgültig verloren zu haben. Provinziell denkende westliche Politiker rieben sich erstaunt die Augen, als die deutsche Frage wider alle Erwartung doch noch ihrer Lösung entgegentrieb. Man sah im Hinblick auf ein Zusammenwachsen Europas die Stabilität des europäischen Kontinents ernsthaft bedroht. Robert Maxwell sprach aus, was damals viele Engländer dachten: „Wir in Britannien und Europa wollen, daß es bei zwei Deutschlands bleibt.“ Der im November 1991 verstorbene Meiengewaltige, der ein internationales Medienimperium beherrschte, konnte trotz aller scharfen Töne, die seine Zeitungen anschlugen, seinen Wunsch nicht durchsetzen. Man dachte laut über die deutsche Zukunft nach und mutmaßte, nach der „Rehabilitierung des Nationalsozialismus“ würde auf deutschem Boden ein „Viertes Reich“ entstehen. Kein Wunder, daß angesichts dieser Panikstimmung sich auch die damalige englische Premierministerin der feinen englischen Art bediente und mit dem Feuer spielte, als sie allen Ernstes die Isolierung des wiedervereinten Deutschland durch eine neue „Entente cordiale“ zu betreiben versuchte. Recht offenherzig erklärte sie, daß sie nicht daran denke, den „panischen Drang zur deutschen Wiedervereinigung“ mitzumachen. Sie war keineswegs bereit, das urdemokratische Selbstbestimmungsrecht auch für Deutsche gelten zu lassen. Wieder einmal also war England pünktlich zur Stelle, um die Vorreiterrolle gegen ein expandierendes Deutschland zu übernehmen. Und erneut fühlte man sich an den alten Erfahrungssatz erinnert, daß von England her alles Schlechte auf uns zukommt, einschließlich des schlechten Wetters .Frau Thatchers „Deutschland-Seminar“, das sie ansetzte, um dem Rätsel der deutschen Erfolge auf die Spur zu kommen, war ein dezidiert deutschfeindlicher Akt, der von der deutschen Presse trotzdem nur mit betonter Zurückhaltung notiert wurde. Man war offenbar Kummer von jenseits des Kanals gewohnt, so daß man die penible Auflistungder deutschen Charakterfehler gar nicht erst ausdrücklich zur Kenntnis nahm. Von Angst, Aggressivität, Angeberei, Egoismus bis hin zu Selbstmitleid und Zynismus war da in einem wirren Durcheinander die Rede. Das über ein halbes Jahrhundert praktizierte demokratische Wohlverhalten wurde in dieser obskuren Bilanz überhaupt nicht honoriert. Von der Schattenbeschwörung der alten deutschen „Huns“, der Hunnen also, war man im Schloß Chequers nicht mehr weit entfernt. Man kann es uns offenbar nicht verzeihen, daß wir nach Jahren unsäglicher Arbeit wirtschaftlich das erreicht haben, „was Hitler militärisch nicht schaffte“. Düstere Aussichten demnach für neudeutsche Musterdemokraten, die sich bis zur völligen Devotion und Selbstauflösung alle nur erdenkliche Mühe gaben, fast fünf Jahrzehnte nicht in alle europäischen Fettnäpfchen zu treten, sondern wie gezähmte Affen milde lächelnd zusahen, wenn andere ihre weltpolitischen Verwirrspiele auf unserem Rücken austrugen. Die Wiedervereinigung und die zur Debatte stehende endgültige Abtretung eines Viertels deutschen Landes jenseits von Oder und Neiße boten der Welt einen willkommenen Anlaß, das Gespenst des deutschen „Faschismus“ aus der Mottenkiste der Geschichte hervorzukramen und den unsterblichen Hitler wieder einmal als den bösen Mann Europas seine antiquierte Chargenrolle spielen zu lassen. Man muß halt den ewigen Deutschenhaß immer zumindest auf kleiner Flamme schmoren lassen, um die inzwischen wieder stärkste Nation des Kontinents erpreßbar zu halten. Die englische Presse weiß offenbar immer noch, was sie dem nationalen Prestige schuldig ist, wenn sie ihren Lesern immer wieder die fragwürdige und gruselige Charakterfigur des häßlichen Deutschen auftischt. Die deutschen Monster mit oder ohne Uniform erfüllen die Funktion des Kinderschrecks, den junge Engländer schon in ihren Comic-Heften bestaunen können. Selbst die amtlichen englischen Lesebücher produzieren wahre Horrormythen, sobald von den Deutschen die Rede ist.
„Jede Woche wird Kindern ein frei erfundenes, wiedergekautes Zeug über den Zweiten Weltkrieg angeboten, bei dem die Deutschen bestenfalls als dumm und schlimmstenfalls als fürchterlich brutal und heimtückisch dargestellt werden“, kommentierte im Mai 1978 das britische Nachrichtenmagazin „The Economist“ die in England grassierende Deutschenhetze, über die noch kein deutscher Außenminister bisher ein Sterbenswörtchen verloren hat. „Etwa jeden Monat wird Kindern und Erwachsenen eine Mischung von Tatsachen und Erfindungen vorgeführt, in der die Deutschen im selben Licht gezeigt werden. Der mutige oder gar gute Deutsche ist nur selten zu sehen. Der Durchschnittsdeutsche ist ein Verbrecher in brauner, grauer oder gar schwarzer Uniform.“ Neuestens haben sogar Berliner Germanisten herausgefunden, daß englische Kinder und Jugendbücher lediglich abgestandene Klischees von Deutschen vermitteln, die in einem krassen Widerspruch zu den Realitäten stehen. Deutsche pflegen grundsätzlich nur im Zusammenhang mit besonders blutrünstigen kriegerischen Ereignissen in Erscheinung zu treten. Deutsche Wissenschaftler entpuppen sich in der Regel als gerissene Agenten, die sich auf die dubiose Kunst verstehen, Bomben jeglichen Kalibers zu basteln. Sogar der uralte und längst für museumsreif gehaltene Monokeldeutsche geistert noch immer durch englische Kinderbücher und weckt zweifelhafte Empfindungen gegenüber den Deutschen in der Vorstellungswelt des britischen Nachwuchses. Eigentlich hat sich überhaupt nichts gegenüber den Parolen englischer Scharfmacher seit der Jahrhundertwende geändert. Schon 1907 hieß es in einem Leitartikel der Londoner „Saturday Review“: „Englands Gedeih kann nur gesichert werden, wenn Deutschland vernichtet wird … Wenn Deutschland morgen aus der Welt vertilgt würde, gäbe es übermorgen keinen Engländer in der Welt, der nicht um so reicher sein würde. Völker haben jahrelang um eine Stadt oder um ein Erbfolgerecht gekämpft. Müssen sie nicht auch um einen jährlichen Handel von 250 Millionen Pfund Sterling Krieg führen?“ Erstaunlicherweise arbeiteten englische Propagandisten den Morgenthau und Kaufman des Zweiten Weltkriegs schon eifrig voraus. In vielem haben sie diesen schon die Stichworte geliefert, als sie sich daranmachten, ihre orientalische Phantasie spielen zu lassen und praktische Anweisungen zur biologischen Ausrottung der Deutschen zu erteilen. „Wenn deutsche Eltern heute schlecht oder unterernährt oder halb verhungert oder durch die tausend und einen unheimlichen Nahrungs-Ersatzmittel, mit denen sie sich ietzt erhalten, vergiftet werden“, so schwadronierte Englands allmächtiger Presselord Alfred C. W. Northcliffe (1865-1922), der übrigens einer der geadelten Juden des englischen Oberhauses war, munter drauflos, „so wird ihre Nachkommenschaft dementsprechend minderwertiges Erzeugnis sein. Sie wird in weitem Maße allen möglichen Spielarten erblicher Leiden unterworfen sein. Sie wird in geringem Maße widerstandsfähig sein gegen die Ansteckung durch Tuberkulose. Sie ist möglicherweise verkrüppelt, mißgebildet oder im Wachstum unternormal.“ Die antideutsche Propaganda bewegte sich in England auf dem gleichen beklagenswert niedrigen Niveau wie zu Zeiten der skrupellosen Presselords. Selbst Außenminister Eden (1897-1977), der hierzulande als Prototyp des vielgepriesenen und offenbar gehörig überschätzten Gentleman gilt, erklärte frank und frei im Januar 1942 im Unterhaus, die Deutschen hätten sich in den letzten hundert Jahren wie „angreifendes Vieh“ verhalten und verdienten es daher, auch so behandelt zu werden.Der englische Kriegspremierminister Winton Churchill (1874-1965), der als geradezu zwangshaf t besessener Germanophobe in die Geschichte eingegangen ist, was die Deutschen allerdings keineswegs daran hinderte, Kniefälle an seinem Grabe zu veranstalten, erblickte in den Deutschen zwar keine losgelassene Viehherde, aber immerhin einen Haufen von „60 Millionen Verbrechern und Banditen“ und behandelte sie dementsprechend sogar im nicht alkoholisierten Zustand. Er schlüpfte nach Hitlers Machtübernahme in die Rolle des alten Römers Cato, indem er sein „Germaniam esse delendam“ wie mit einer Gebetsmühle herunterleierte. „Deutschland wird zu stark, wir müssen es zerschlagen“, lautete die Quintessenz seiner antideutschen Parolen, mit denen er vorsätzlich den für ihn unumgänglichen Zweiten Weltkrieg vorbereitete. Schon im Ersten Weltkrieg hatte Churchill seinem Deutschenhaß freien Lauf gelassen, indem er seine Haßgesänge gegen die deutsche Konkurrenz intonierte: „Ich werde Deutschland solange an der Kehle würgen, bis sein Herz aussetzt. Wir werden die Umschnürung nicht eher lockern, bis es sich auf Gnade und Ungnade ergibt.“ Dreißig Jahre später verwirklichte er seinen Wunschtraum, indem er den traurigen Mut aufbrachte, seinen mörderischen Bombenkrieg auf wehrlose deutsche Frauen und Kinder zu eröffnen, den er dann mit dem unvergleichlichen Dresdener Massensterben krönte, für das er verantwortlich zeichnet. In diesem Engländer schien sich der Deutschenhaß am überzeugendsten inkarniert zu haben. Selbst die asiatische Brutalität der Sowjetsoldaten gegen Kriegsende fand seinen ungeteilten Beifall, „soweit sie die Tötung von Deutschen betrifft“. Mit Sicherheit war der Holocaust von Dresden mit mehr als 250.000 Opfern eines der größten Kriegsverbrechen der Weltgeschichte überhaupt. In seinem Luftmarschall Arthur Harris, genannt „Bomber-Harris“, fand der englische Kriegspremier einen im Geiste wahlverwandten Vollzugsgehilfen für seine sadistischen Schurkenstreiche. Die kaltherzige Egozentrik der Angelsachsen, die in der bekannten Maxime „Wright or wrong -my country“ bezeichnenderweise zur Norm des politischen Verhaltens erhoben wurde, setzte alle Grundansichten der bürgerlichen Ethik brüsk außer Kurs. Harris scheint jedoch die unerträglichen Verhaltensmuster seines Herrn und Meisters im Geschäft des Massenmordes noch um einiges übertroffen zu haben. Jedenfalls fand er auf die Frage, ob nicht diesen strategisch völlig sinnlosen und nur durch einen geradezu pathologischen Haß zu erklärenden Vernichtungsangriff auf harmlose Zivilisten bereue, nur die ebenso entwaffnende wie lapidare Antwort: „Ich würde nicht zögern, das gleiche noch einmal zu tun. Ich habe keine Geduld mit Menschen, die Mitleid mit den ‚armen Deutschen‘ empfinden.“ Die üble Rolle, die der konservative Unterstaatssekretär im Foreign Office, Lord Vansittart, in der Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges spielte, ist längst geschichtsnotorisch geworden. Neben dem ominösen Lord Halifax kommt ihm das zweifelhafte Verdienst zu, mit eiskalter Berechnung den Kriegsausbruch vorangetrieben zu haben. Er war der führende Kopf im Lager der britischen Kriegstreiber, die ihren Deutschenhaß schon in der Wilhelminischen Ära kultiviert hatten, als sie sich politisch und wirtschaftlich von den Deutschen überrundet sahen. Vansittart ordnete die Deutschen in die zoologische Kategorie der „Würger-Vögel“ ein. Überhaupt war der „Vansittartismus“, der nicht eher ruhte, bis er Blut geleckt hatte, eine besonders aufschlußreiche Variante des britischen Antigermanismus. Dieser hohe Beamte Seiner Majestät hatte sich in seine Vorstellung von den bestialichen Deutschen so sehr gesteigert, daß es für ihn eine abgemachte Sache war, diese Barbaren würden alles ohne Ausnahme niedermachen, was ihnen unter die Hände geriete. Nur wenn sie ihre notorische Mordlust einmal nicht an unschuldigen Frauen und Kindern austoben könnten, würden sie sich der Not gehorchend auch damit abfinden, Kühe abzuschießen. Während alle anderen Völker sich im Laufe ihrer Geschichte auf eine höhere Kulturstufe gehievt hätten, wären die Deutschen nach Meinung des britischen Unterstaatssekretärs die gleichen schrecklichen Wilden geblieben, die sie immer schon waren. Gerade diesen Umstand der deutschen Unbelehrbarkeit hielt Vansittart offenbar für die „bei weitem größte Tragödie der Welt“. Selbst Sir Neville Henderson (1882-1942), der englische Botschafter in Berlin zur Zeit des Kriegsausbruches, der von der Notwendigkeit einer kriegerischen Auseinandersetzung mit den Deutschen überzeugt war, präzisierte seine Auffassung vom deutsch-englischen Verhältnis mit den Worten: „Deutschland ist ein mächtiges Land. Achtzig Millionen fleißige und disziplinierte Deutsche werden immer ein lästiger Faktor in der europäischen Politik und Wirtschaft sein.“ Auch der Labour-Premier der Nachkriegszeit, Clement Attlee, hatte durchaus kein Herz für die besiegten Deutschen, die sich so tapfer geschlagen hatten. Angesichts des völkerrechtswidrigen Exodus der Deutschen aus ihren Ostgebieten erklärte er ungerührt im Unterhaus: „Die Deutschen haben die alten Schranken eingerissen. Deshalb sage ich, daß sie sich nicht auf das alte Europa berufen können. Falls sie sich fügen, falls sie wieder gutmachen wollen, haben sie trotzdem kein Recht, die Grundlagen der Moralgesetze zu beschwören, die sie selbst nicht beachtet haben, oder auf Mitleid und Gnade zu rechnen.“ In ihrer provinziellen Biedermännerei und bei mangelndem Tatsachensinn waren die Deutschen der abgefeimten Infamie und Skrupellosigkeit der englischen Propaganda in keiner Weise gewachsen. Erst mitten im Ersten Weltkrieg merkten sie, daß sich England mit dem Reich eigentlich schon über Jahre hinweg in einem schwebenden Kriegszustand befunden hatte. Sie hatten es nur nicht zur Kenntnis genommen und wären auch nicht imstande gewesen, diesen Attakken mit gleicher Schärfe zu kontern. Offenbar verfuhren sie sehr zu ihrem Nachteil nach dem christlichen Grundsatz, es wäre eben doch wohl besser, Unrecht zu leiden, als Unrecht zu tun. Ihre Interessen in der Welt wuden von ihren Politikern jedenfalls miserabel vertreten. „Wir ließen es uns nicht träumen, wir mußten es erst im Kriege mit Schrecken erfahren, wie sehr sie uns (und wir nicht sie) in all der Zeit gehaßt, und zwar nicht sowohl aus Gründen ökonomischer Macht, sondern viel giftiger, uns politisch gehaßt hatten“, stellte Thomas Mann (1875-1955) in bezug auf die Impertinenz der englischen Propaganda fest. „Nicht geahnt hatten wir, daß unter der Decke des friedsamen internationalen Verkehrs in Gottes weiter Welt der Haß, der unauslöschliche Todeshaß der politischen Demokratie, der freimaurerisch-demokratischen Rhetor-Bourgeoisie von 1789 gegen uns, gegen unsere Staatseinrichtung, unseren seelischen Militarismus, Autorität und Pflicht am verfluchten Werke war.“ Noch in unseren Tagen hat der englische Historiker David Irving die Äußerungen Thomas Manns bestätigt. Auch er läßt keinen Zweifel daran, daß England mit allen Mitteln gezielter Desinformation zweimal die Stimmung der Welt gegen Deutschland so systematisch eingeheizt hatte, daß es später keiner besonderen Mühe mehr bedurfte, die Lüge von der deutschen Alleinschuld am Kriege zu zementieren. „Kein Verbrechen ist zu groß, daß man es nicht den Deutschen zutrauen könnte“, stellt auch Irving fest. „Die Welt liebt und verehrt manche Nationen, einige betet sie an, aber niemals Deutschland. Die Deutschen werden bombardiert, ausgebrannt, betrogen, vertrieben und ausgeraubt. Aber keine Stadt der Welt hat jemals einen Protestmarsch aus Sympathie für Deutschland gesehen. Dies war schon lange vor der Hitler-Ära so.“ „Was nützt uns alle Macht, wenn Haß und Mißtrauen uns überall begegnen, wenn man jeden Schritt uns argwöhnisch mißgönnt, den wir in unserer Entwicklung vorwärtstun?“, fragte sich schon kurz nach der Reichsgründung der damalige preußische Kronprinz. „Bismarck hat uns groß und mächtig gemacht, aber er raubte uns unsere Freunde, die Sympathie der Welt und unser gutes Gewissen.“ Übrigens besaß Bismarck durchaus das richtige Gespür dafür, wie sehr wir uns die Rivalität Englands zuziehen würden, wenn wir weiterhin wirtschaftlich prosperierten. Er erklärte sein Reich deshalb beizeiten für „saturiert“, um nicht mit den Engländern zu konkurrieren. Offenbar hatte er die ihn wohl selbst überraschende wirtschaftliche Tüchtigkeit der Deutschen nicht mit in sein Kalkül einbezogen. Sollte er etwa auf den sich senden Konkurrenzneid der Umwelt und vor allem der Engländer mit einer einschneidenden Drosselung der deutschen Wirtschaftskapazität reagieren? Trotz allen Wohlverhaltens und aller hündischen Servilität ihrer Intellektuellen gelang es den Deutschen nicht, die Engländer von ihrer Friedfertigkeit zu überzeugen. Man schoß sich in London immer unerbittlicher auf den lästigen Emporkömmling ein und verstand keinen Spaß, wenn es sich um die Verteidigung der Weltmärkte handelte. Das offizielle Deutschland sah jedoch großzügig über alle Demonstrationen der englischen Neidkomplexe hinweg oder nahm sie aus lauter Blauäugigkeit nicht einmal zur Kenntnis. Es fiel ihm offenbar schwer, sich in die Mentalität dieses imperialistischen Inselvolkes, das im Notfall gänzlich unsentimental über Leichen ging, hineinzudenken. Offenbar war Konkurrenzneid eine Vokabel, die im deutschen Sprachgebrauch Seltenheitswert besaß. Der Soziologe Helmut Schock hat in seinem Standardwerk über den Neid zwar alle netten dieses Sozialphänomens voll ausgeleuchtet, aber den Neid als bestimmendes Regulativ im Zusammenleben von Völkern ausgespart. Im Grunde stellt der Völkerneid, ohne den ganze Kapitel leidvoller Geschichte einfach nicht zu verstehen sind, einen ins Überdimensionale projizierten Individualneid dar. Er kann auf die Dauer nichts Gutes bewirken und hat in der Tat in der Menschheitsgeschichte eine breite blutige Spur hinterlassen. Zwei Weltkriege sind auf sein Konto zu buchen. Unbegreiflich daher immer noch, warum die Deutschen nicht beizeiten den oft so perfiden englischen Attacken angemessen begegneten. Sicher wäre es für eine gewitzte psychologische Kriegsführung nicht schwierig gewesen, den entarteten Söhnen Albions die ungeheuren Verbrechen schlicht entgegenzurechnen, die sie bei der Errichtung ihres Empires begangen hatten. Die Engländer waren für eine mit Lügen gespickte Haßpropaganda wegen ihres unterkühlten Temperaments, das menschliche Skrupel kaum zuließ, geradezu prädestiniert. Die provinziellen Deutschen konnten ihnen in ihrer Gemüthaftigkeit natürlich nicht das Wasser reichen. Churchill, dem die Berliner bereits im Juli 1945 wieder zujubelten, gab sich tief ergriffen. Ein Leben lang hatte er mit Bravour seine persönliche Animosität gegen die Deutschen in eine Haßpropaganda umgemünzt, die er mit einem infernalischen Eifer betrieb, obwohl nach Bismarcks Meinung Haß und Rachegefühle in der Politik nichts zu suchen haben. „Das Ergebnis war ein mit riesigem Erfolg und mit so gut wie völliger Skrupellosigkeit geführter Propagandafeldzug“, bemerkte dazu der englische Militärschriftsteller Russell Grenfell in seinem Buch „Bedingungsloser Haß“. „Jede Fälschung, jede Unterdrückung der Wahrheit wurde angewandt, wenn sie dazu beitrug, den Feind anzuschwärzen. Jede Greuelgeschichte, mochte sie wahr sein oder nicht, wurde nach allen Seiten verbreitet. Diese Geschichten waren häufig erlogen. Mit allen Mitteln wurde 1917 ein grausiger Bericht verbreitet, wonach die Deutschen die Leichen ihrer Gefallenen verkochten, um Glyzerin und andere Nebenprodukte für die Munitionsherstellung zu gewinnen. Diese Geschichte machte auf Millionen Engländer einen tiefen Eindruck, die daraus den Schluß zogen, die Deutschen seinen schlimmer als alle Übel der Welt. Diese Geschichte war eine Lüge — eine wohlüberlegte Lüge, die mit bösartiger Absicht kolportiert wurde, um die Massenleidenschaften gegen den deutschen Feind aufzupeitschen. Das wurde nach dem Krieg sogar von einem englischen Kabinettsmitglied öffentlich zugegeben.“ Rundfunk und Film trugen im Zweiten Weltkrieg schon entscheidend dazu bei, die Emotionen der Völker gegen die Deutschen anzustacheln. Churchill merkte erst viel später, daß es eigentlich ja die Deutschen waren, die ganz Europa vor dem roten Sturm aus dem Osten bewahrt hatten. Immerhin war er ehrlich genug, sich einzugestehen, daß er ja doch wohl das falsche Schwein geschlachtet hatte.
3. Amerika
Der Deutschenhaß der Amerikaner datiert etwa seit der Jahrhundertwende, als die dynamische deutsche Wirtschaft ihnen offenbar einen Grund zum Ärgernis bot. Spätestens damals war die deutsche Konkurrenz auf dem besten Wege, auch dieses ressourcenreiche Land der vermeintlich unbegrenzten Möglichkeiten rücksichtslos zu überrunden. Eben deswegen ließ man sich widerstandslos ins Schlepptau der englischen Propaganda nehmen, die sich verbissen auf die deutschen Parvenüs eingeschossen hatte und kein Pardon gelten ließ. Die angelsächsischen Mächte bewiesen mit einem Male eine verdächtige Solidarität, als der Kampf um die Vorherrschaft auf den Weltmärkten entbrannte. Die USA, die sich schon damals mit einem reichlich überzogenen, aber durch nichts gerechtfertigten moralischen Anspruch so gern als Weltgouvernante aufspielten, um selbst dort auf ihre Weise Ordnung zu schaffen, wo sie absolut nichts zu suchen hatten, übernahmen ohne Wenn und Aber die geläufigsten Stichworte der Deutschenhetze, die von London aus in alle Welt hinausstrahlte. Bezeichnenderweise konterten die deutschen Einwanderer den massiven Diskriminierungskampagnen gegen ihr Herkunftsland in keiner Weise. Der überproportional einflußreiche jüdische Bevölkerungsanteil der Staaten beteiligte sich schon damals in den Medien an vorderster Front als fanatischer Einpeitscher dieser überschwappenden deutschfeindlichen Welle. Bezeichnend für die Infiltration antideutscher Gesinnung ins Bewußtsein des Durchschnittamerikaners ist eine Passage aus einem Roman des aus Armenien stammenden amerikanischen Schriftstellers William Saroyan (geb. 1908), die bereits Böses für die Zukunft des deutsch-amerikanischen Verhältnisses ahnen ließ. „Der Weltschuft, das war der deutsche Kaiser“, heißt es da kurz und bündig. „Überall war er, dieser Haß. Ich hatte einen Vetter, einen Knirps von drei Jahren. Er hieß Sinn, und kaum konnte er sprechen, da sagte er: ‚Ich will dem Kaiser den Kopf abhacken‘.“ In solchen eher beiläufigen Stellen der amerikanischen Fiktion-Literatur artikulierte sich bereits etwas von der hochgeputschten antideutschen Kreuzzugsmentalität der arroganten Amerikaner, die sich in einem genuin gewalttätigen Land mit einer außergewöhnlich hohen Kriminalitätsquote dazu berufen fühlen, für die Durchsetzung ihrer höchst anrüchigen „Wertegemeinschaft“ in aller Welt zu sorgen. In ihrer vernebelten Vorstellungswelt haben die Deutschen den Stellenwert des absolut Bösen augenscheinlich bis auf unsere Tage erhalten. Ohne Feindbild, mit dem sie die eigene moralische Unterlegenheit zudecken können, scheinen die Amerikaner nicht leben zu können. Daß die Deutschen für sie die Pappkameraden darstellen, auf die man sich einschießen kann, haben diese zu einem guten Teil sich selbst zu verdanken, da sie zur Verteidigung ihrer nationalen Würde noch nie auf die Barrikaden geklettert sind. Es bedurfte schon während des Ersten Weltkrieges nur des von Churchill, der damals Marineminister war, mit viel Abgefeimtheit in Szene gesetzten Lusitania-Zwischenfalles, um die Amerikaner mit einem geradezu epidemischen Deutschenhaß zu infizieren. Bekanntlich war die von englischer Seite vorsätzlich herbeigeführte Versenkung des britischen Passagierdampfers Lusitania am 7. Mai 1915 durch ein deutsches U-Boot, bei der 124 Amerikaner ums Leben kamen, ausschlaggebend für die Kriegsbereitschaft der Vereinigten Staaten. Zwei Jahre später, im April 1917, stürzten sie sich dann auch, ohne groß zu überlegen, was sie damit anrichteten, in ein folgenschweres Kriegsabenteuer gegen die Deutschen, gegen die die Waffen zu ergreifen eigentlich überhaupt kein plausibler Anlaß bestand. Die jahrelang geschürte Antipathie hatte offenbar inzwischen einen solchen Siedegrad erreicht, daß es höchste Zeit war, ein passendes Ventil dafür zu finden. Im Zweiten Weltkrieg mußte ein eher noch zynischerer Zwischenfall dafür herhalten, um die Amerikaner in den Krieg zu treiben. Diesmal war es bekanntlich Roosevelt, der, obwohl ihm die geplante japanische Aktion gemeldet war, seine Mariners in Pearl Harbor in Grund und Boden torpedieren ließ, um den Volkszorn in seinem Land zum Überkochen zu bringen. Die Amerikaner wären nämlich sonst nicht zum Kriegseintritt gegen die damals bereits zum Abschaum der Menschheit erklärten Deutschen zu bewegen gewesen. Amerika kann sich rühmen, den globalen Deutschenhaß im Laufe des Krieges dann auf die Spitze getrieben zu haben. Für dieses fragwürdige Kapitel der amerikanischen Geschichte sind Namen wie Morgenthau, Kaufman und Nizer dann symptomatisch geworden. Diese ließen allesamt ihre orientalische Phantasie spielen, um ihren Landsleuten die Deutschen als Geschichtsmonster, die eigentlich schon längst hätten ausgerottet werden müssen, vorführen zu können. Bisher haben die Amerikaner trotz der vielgerühmten „westlichen Wertegemeinschaft“, in der sie mit uns leben sollen, großzügig darauf verzichtet, an ihrem total verzeichneten Deutschenbild die notwendigen Korrekturen vorzunehmen. Im Gegenteil, sie kultivieren weiterhin dieses gänzlich risikolose Feindbild, um auf diese Weise gar nicht einmal so ungeschickt von ihren eigenen Untaten abzulenken. Die entsetzlichen Verbrechen und Genozide der Amerikaner an Indianern, Negersklaven, Filipinos, Japanern und nicht zuletzt auch an uns Deutschen, wie wir neuerdings auf Grund der sensationellen Enthüllungen über die amerikanischen Kriegsgefangenenlager am Rhein wissen, sind nun einmal geschichtliche Fakten. Auch wenn sie in amerikanischen Geschichtsbüchern unterschlagen oder bagatellisiert werden, kann man sie durch keine Totschweigetaktik aus der Welt schaffen. Diese auf Dauer kaum zumutbare Verzerrung der geschichtlichen Wahrheit auf Kosten anderer findet nicht einmal bei allen Amerikanern ungeteilte Zustimmung. Jedenfalls distanzierte sich im Oktober 1965 die New Yorker Staatszeitung ausdrücklich von dieser Diffamierung anderer, indem sie zu bedenken gab: „Ist es ein Zufall, daß man kaum noch ein Fernsehprogramm einstellen kann, ohne sich früher oder später mitansehen zu müssen, wie nicht nur deutsche Soldaten, sondern das gesamte deutsche Volk als unmenschlich oder idiotisch dargestellt werden? Oder ist es ein Zufall, daß zur gleichen Zeit auch in England, wo es heute zur großen Mode gehört, gegen Deutschland zu hetzen, solche Filme am laufenden Band gezeigt werden?“ Nirgendwo war bisher allerdings zu lesen, irgendeine deutsche Regierung hätte gegen diese massive Art von Völkerverhetzung unter Verbündeten energisch Protest erhoben. Gleichwohl kann unseren lauen Erfüllungspolitikern der Tatbestand der permanenten Deutschenhetze nicht entgangen sein. Erst kürzlich konnte man über die wahre Solidarität innerhalb der vielgerühmten Wertegemeinschaft mit den USA folgendes lesen: „Eine Untersuchung Münchner Amerikanisten hat ergeben, daß die Bildschirme der USA noch immer von deutschen Nazi-Scheusalen bevölkert werden. Jenseits des Atlantik produzieren Kino- und Fernsehbosse jährlich Tausende Kilometer Zelluloid mit Deutschenhetze.“ Die Nazi-Porno-Branche blüht und gedeiht also in Gottes eigenem Land hervorragend und wirft durch ihren gleichbleibenden Unterhaltungswert sogar erhebliche Profite ab. Offenbar legt man es in den USA darauf an, jungen Amerikanern die deutsche Geschichte in ein überdimensionales Verbrecheralbum umzufunktionieren. Für diese ergibt sich etwa das folgende Charakterbild der ausgewachsenen Mitglieder der vorwiegend Sauerkraut verzehrenden Nation: Sie haben nie etwas anderes im Sinn gehabt, als durch brutale Angriffskriege soviel Land wie nur möglich zusammenzuraffen. Zu diesem unedlen Zwecke bedienen sie sich einer gewaltigen Armee, die eine einzige Strafanstalt darstellt. Von den unvergleichlichen kulturellen Beiträgen der auf diese Weise dämonisierten Deutschen zur Weltkultur oder etwa von der singulären Vertreibungskriminalität an Deutschen bekommt man jenseits des Ozeans natürlich kein Sterbenswörtchen zu hören. Hier hätte eine deutsch empfindende Bonner Regierung noch allerlei Aufklärungsarbeit zu leisten. Solange man sich nicht dazu durchringt, dergleichen Schaden vom deutschen Volk fernzuhalten, wird das Bild des häßlichen Deutschen nicht aus der Vorstellungswelt der Amerikaner verschwinden. Für sie handelt es sich bei den vierschrötigen und gänzlich ungehobelten „Krauts“, die keine Lebensart haben, um seelenlose Techniker, die ständig irgendwelche Bomben produzieren und diese dann nach Fertigstellung auch ohne jedwede Bedenken auf andere herabregnen lassen. Natürlich stellen Uniform und Lederhose ein unverwechselbares Utensil von Schaustellungen dar, an denen sich das amerikanische Fernsehpublikum Abend für Abend in dem immer gleichen Bewußtsein ergötzt, wie glücklich man sich doch eigentlich preisen könnte, einem moralisch so viel höherstehenden Volk anzugehören. Leider hat diese nicht einmal in Ansätzen abgewehrte Deutschenhetze der Amerikaner diese bereits zweimal in den Krieg geführt. Zweimal fielen sie über das bereits erschöpfte und ausgeblutete Deutschland her, das sich nach jahrelangem heroischem Kampf gegen eine ganze Welt von Feinden nur noch mit dem Mute der Verzweiflung gegen die ausgeruhten Amerikaner wehren konnte. Der unmenschliche Bombenkrieg gegen die deutsche Zivilbevölkerung ist zwar nicht in amerikanischen Gehirnen ausgebrütet worden, aber die Amerikaner hatten keinerlei Skrupel, in diesem grausamen Spiel bedenkenlos mitzumischen. Nach alledem kann es nicht überraschen, daß die meisten Amerikaner auf die Frage nach ihrer Vorstellung von ihrem größten und bisher noch verläßlichsten Verbündeten nur Begriffe wie Nazis, Hitler oder Krieg assoziieren können. Kein Wunder, daß deutsche Kinder, die amerikanische Schulen besuchen,oft von ihren aufgehetzten Klassenkameraden nur noch wie Freiwild behandelt werden. Man hegt ganz allgemein Deutschen gegenüber Gefühle, die sich auf der Skala schäbiger menschlicher Emotionen etwa auf dem gleichen Niveau bewegen wie die früheren Ressentiments gegenüber Negern. Bedenklich aber auch, daß sogar in den US-Kasernen auf deutschem Boden Bücher, Broschüren und Comics verteilt werden, in denen die Deutschen, die man doch sicher als Kanonenfutter fürs letzte Gefecht gegen einen imaginären Feind vorgesehen hat, als Schurken, Mörder oder Frauenschänder vom Dienst vorgeführt werden. Man kann sich, einschließlich der über die ganze Welt verstreuten Judenschaft, nicht eine einzige andere ethnische Minderheit vorstellen als die Deutschen, die dieses üble Spiel mit sich treiben lassen. Niemand würde dergleichen laufende Diffamierungen ohne entsprechende Demarchen und Einsprüche der jeweils zuständigen Regierungen hinnehmen. Wir erlauben uns sogar das absolute Gegenteil, indem wir unseren offenen oder latenten Gegnern höheren Orts die entsprechenden Stichworte für ihre gezielten Deutschenschmähungen gratis liefern. Eine gründliche Revision des deutschen Amerikabildes wäre zumindest in dem Augenblick zu erwarten gewesen, als der kanadische Journalist James Bacque nach gründlichen Recherchen 1989 sein Buch „Der geplante Tod“ über deutsche Kriegsgefangene in amerikanischen und französischen Lagern vorlegte, dessen Inhalt man wegen seiner unglaublichen Unmenschlichkeit bei uns offenbar immer noch nicht zur Kenntnis nehmen will. Hatte man nämlich bis dahin angenommen, einige Zehntausend deutscher Landser wären als Gefangene noch nach Kriegsende dem kollektiven amerikanischen Deutschenhaß zum Opfer gefallen, so weiß man heute mit Sicherheit, daß die Zahl der Toten in den Erdlochlagern auf den Rheinwiesen annähernd die Millionengrenze erreicht hat. Sicher gehört dieser Genozid zu den verabscheuungswürdigsten Kriegsverbrechen der gesamten Kriegsgeschichte. Hier wurde von einer Nation, die salbungsvoll als Moralapostel in aller Welt auftritt und das christliche Ethos betont für sich in Anspruch nimmt, mit bösem Vorsatz und unter Mißachtung der Genfer Konvention ein Holocaust an unschuldigen Soldaten begangen, die nichts als ihre Pflicht und Schuldigkeit getan hatten.
Den amerikanischen General Dwight D. Eisenhower (1890-1969) trieb sein fanatischer Deutschenhaß sogar so weit, daß er die reichlich vorhandenen Nahrungsmittel zurückhalten ließ und selbst die Hilfsmaßnahmen des Roten Kreuzes verhinderte.
Beschämend immerhin für einen Soldaten wie Eisenhower, der bekanntlich deutscher Abstammung war und dem die unbelehrbaren Deutschen dann nach Kriegsende wie einem Befreier zujubelten, daß er, nach seinen Kriegsverbrechen, die ihn eigentlich vor ein internationales Tribunal hätten bringen müssen, befragt, beteuerte, er bedaure lediglich, nicht mehr von diesen „deutschen Bestien“ zur Ausrottung zur Verfügung gehabt zu haben. Schon seiner Frau gegenüber hatte er in Briefen die Deutschen als „Bestien“ abqualifiziert. Offenbar war er den Hetzparolen von Morgenthau und Kaufman aufgesessen. Er überraschte schließlich auch mit dem Vorschlag, alle 3.500 Offiziere des deutschen Generalstabes zu liquidieren. Auch mit seiner Überzeugung, sämtliche Nazi-Führer mit Stumpf und Stiel auszurotten, näherte er sich einer Perversion des Denkens, die man sonst nur den Sowjets zugetraut hatte. Zu sprechen bleibt in diesem Zusammenhang noch von den Schreibtischtätern, die ihre Phantasie spielen ließen, um ihre amerikanischen Landsleute zu entschiedenen Deutschenhassern umzuerziehen. Zu ihnen gehörte zum Beispiel der Sprecher des Kriegsausschusses amerikanischer Schriftsteller, Clifton Fadiman, der gehörig Zunder gab und im übrigen nur eine Möglichkeit zu kennen schien, mit einem Deutschen zu sprechen, nämlich „ihn zu töten“, und selbst dann, so setzte er diesem gutgemeinten Vorschlag biedermännisch hinzu, „begreife er es nicht“. Selbst der Pulitzerpreis- und Nobelpreisträger für Literatur Ernest Hemingway (1899-1961), dem die Deutschen nach dem Kriege aus unerfindlichen Gründen ihre Verehrung darbrachten, rühmte sich in aller Öffentlichkeit mit der Zahl der „Hunnen“, die er „abgeknallt“ haben wollte. In einer kaum zu überbietenden sadistischen Weise aber tobte der jüdische Publizist Theodore Nathan Kaufman seinen infernalistischen Haß auf alles Deutsche aus. In seinem während des Krieges in Monsterauflagen erschienenen Pamphlet „Germany must perish“, also „Deutschland muß vernichtet werden“, wartete er mit detaillierten Vorschlägen auf, die in ihrer Präzision alles weit in den Schatten stellten, was bisher an „Endlösungen der deutschen Frage“ menschliche Gehirne sich abgerungen hatten. Kaufman wollte nämlich nicht mehr oder weniger, als die gequälte Menschheit mit einem Schlage durch die Sterilisierung aller Deutschen im zeugungsfähigen Alter von dieser Pest zu erlösen. Auch war er gewitzt und phantasievoll genug, durch beigefügte Landkarten zugleich eine konkrete Aufteilung des deutschen Territoriums unter seinen Nachbarn vorzuschlagen. „Die Deutschen sind ein abscheuliches Volk“, kann man in seinem Pamphlet lesen. „Sie denken und träumen nichts anderes als Niederträchtigkeiten. Sie schwingen ihre Arme, die wie stachliche Keulen sind. Statt gewöhnlicher menschlicher Sprache entsteht aus ihren Mündern das Donnergrollen der Artillerie und das Klirren von Stahl. Ihr Leben gleicht einer ständigen Explosion. Der Deutsche lebt nicht auf den Höhen, er meidet das Licht, und aus seinem Versteck heraus zerrupft er geschlossene Verträge, übt seinen bösartigen Einfluß auf Zeitungsartikel aus, brütet mit Maß und Zirkel über Karten und steckt mit Schadenfreude und Eifer Grenzlinien ab. Ihr Land zu lieben, bedeutet für sie, jedes andere Land zu verachten, zu verhöhnen und zu beleidigen. Sie sind kaum in der Lage, etwas anderes zu tun, als zu hassen und zu lügen, sogar untereinander. Sie mischen sich in jede Angelegenheit anderer Leute ein, stecken ihre Nasen in Dinge, die sie nichts angehen, urteilen und bestimmen über alles, würdigen alles herab und verdrehen alles. Ein Jammer, der dreiundzwanzig Jahrhunderte nach Sokrates und Plato, zweitausend Jahre nach Christus die Stimme solcher Menschen noch in der Welt zu hören sein soll, schlimmer noch, sollte ihnen jemand zuhören, und am schlimmsten, sollte ihnen jemand glauben.“ Man muß den geschichtslosen Amerikanern schon mildernde Umstände dafür einräumen, daß sie dergleichen lyrische Haßgesänge mit politischen Realitäten verwechseln konnten. Ihr sonst so gerühmter gesunder Menschenverstand scheint sie bisweilen hoffnungslos zu verlassen. Für die daraus entstehenden verheerenden Schäden haben dann leider oft andere aufzukommen. Selbst bei Präsident Roosevelt fanden Kaufmans Parolen ein offenes Ohr. Dieser hatte sich schon früh als sozusagen konstitutioneller Deutschenhasser profiliert. So konnte es nicht verwundern, daß er Kaufmans Angstprodukt für bare Münze nahm. Leider blieb dieses kaum ernst zu nehmende Pamphlet bis heute eine Art Bibel des Antigermanismus zumindest in den USA, eine Magna Charta für alle, die sich von Deutschlands abermaliger Auferstehung in den Schatten gedrückt fühlen und nicht mehr als ein Finis Germaniae herbeisehnen. Jedoch nicht nur Kaufmans Thesen, selbst der nicht weniger mörderische Morgenthauplan, der eine völlige Zerstückelung und Agrarisierung des führenden Industrielandes Deutschland vorsah, fand Roosevelts ungeteilte Zustimmung. Mit Churchill gemeinsam segnete er im September 1944 in Quebec dieses Papier bedenkenlos ab, das dahin tendierte, Deutschland in einen riesigen Bauernhof zu verwandeln, auf dem sich aber nur sechzig Prozent der Deutschen ernähren konnten. Die anderen sollten erbarmungslos einem furchtbaren Hungertod preisgegeben werden. Mit der nunmehr endgültigen Vernichtung der überragenden deutschen Industrie wollte Morgenthau, der von 1934-1945 als amerikanischer Finanzminister fungierte und als Roosevelts Intimus galt, einen unerwünschten Konkurrenten aus dem Felde schlagen. Der Dritte im Bunde der habituellen Deutschlandhasser, die die amerikanische Öffentlichkeit gegen uns mobilisierten, war der Publizist Louis Nizer, dessen Schrift „What to do with Germany?“ im Jahre 1943 erschien und ein wahres Horrorgemälde von den Deutschen entwarf, die er seinen Landsleuten als eine Geißel der Menschheit vorführte. Daß sie den Massenmord anderer Völker wie einen religiösen Kult betrieben, stand für Nizer fest. Jedenfalls suggerierte er den ahnungslosen Amerikanern, die sich nie mit dem Land in Europas Mitte beschäftigt hatten, ein total verzerrtes Deutschlandbild. „Sie betrachten es als ihre Mission, alle anderen Völker zu versklaven“, phantasiert Nizer hemmungslos vor sich hin. „Sie verwerfen die Lehre von der Heiligkeit des menschlichen Lebens und der Freiheit und ersetzen sie durch das Ideal des Krieges. Das einzige Phänomen des Pangermanismus ist es, daß seine Verschwörung gegen den Weltfrieden nicht nur Gangstertum und Nihilismus darstellt.“ Nizer brachte das Kunststück fertig, alle charismatischen Erscheinungen der deutschen Geschichte von Karl dem Großen bis hin zu Bismarck und Hitler zu kriminalisieren und das Fazit zu ziehen: „Es gibt eine deutsche Verschwörung gegen den Weltfrieden und gegen jeden freien Menschen in jedem Land. Es ist eine Verschwörung, die auch in der Niederlage nicht abstirbt. Sie ist den Deutschen angeboren.“ Es scheint damals wie heute keine Trivialität zu geben, die nicht geglaubt würde, wenn sie sich nur gegen die Deutschen richtet. Präsident Truman legte die Schrift jedem Amerikaner als Pflichtlektüre dringend ans Herz, und General Eisenhower ließ die Offiziere seines Stabes die Thesen dieses durch und durch unseriösen Buches kommentieren. So phantasievolle Geschichtslegenden waren von den ohnehin nicht sonderlich mit profunden Geschichtskenntnissen gesegneten Amerikanern kaum ernsthaft nachzuprüfen. Diese sind nicht einmal imstande, ihre eigene Geschichte von einem unangemessenen Glorienschein zu befreien und den harten und gewiß höchst unpopulären Realitäten gefaßt ins Auge zu blicken. Ihr Sündenregister ist bekanntlich erheblich und weist sie als eines der aggressivsten und gewalttätigsten Völker der Weltgeschichte überhaupt aus. Ihre robuste Cowboymentalität haben sie leider bis heute noch nicht abschleifen können. Ihre Kriminalstatistik scheint die Vermutung zu bestätigen, daß bei ihnen der Colt immer noch recht locker sitzt. Auch im Hinblick auf die von ihnen im Laufe der Generationen vom Zaune gebrochenen kriegerischen Auseinandersetzungen erweisen sie sich im internationalen Vergleich als unschlagbar. Gerade deswegen versuchten die amerikanischen Umerzieher sogleich nach Kriegsende die geschlagenen Deutschen durch oft getürkte Konzentrationslagerfilme das Gruseln über ihre vergangenen braunen Machthaber zu lehren. Durch eine solche gezielte Schocktherapie sollten sie sich von ihrer Vergangenheit abnabeln und wieder einmal, sich vor die Brust schlagend und ihr Paterpeccavi stammelnd, in Sack und Asche durch die Weltgeschichte schleichen. Die eigenen Kriegsverbrechen bis hin zu den Atombombenabwürfen über japanischen Städten kehrte man großzügigerweise gleichzeitig
unter den Teppich. Solange Menschen Geschichte machen, haben immer schon die Sieger die Geschichte geschrieben. Die spezifisch amerikanische Spielart unerträglicher Heuchelei, den Splitter im Auge der anderen zu sehen, über den Balken im eigenen Auge jedoch großzügig zur Tagesordnung überzugehen, hat in den angelsächsischen Ländern eine lange und böse Tradition. Vom englischen „Cant“ läßt sich sagen, daß er auch in den USA kräftig Wurzeln geschlagen hat. Allerdings verhält sich die amerikanische Variante dieses menschlichen Fehlverhaltens zum englischen Original wie ein Wildling zum Edelgewächs. Man betreibt in Gottes eigenem Land diese hohe Kunst, alle nur erdenklichen Vorteile für sich einzukassieren, und das, ohne jeden Anflug von moralischen Skrupeln. Im Hochgefühl besonderer Auserwähltheit setzt man sich über dergleichen Rücksichten nach bewährter Wildwestmanier hinweg. Obwohl man sich mit Bravour außerhalb jeder Moralität zu bewegen pflegt, tritt man in der Welt mit dem elitären Anspruch des Heilsbringers auf. Die amerikanische Geschichte ist dann auch ein Konglomerat von moralischen Ausrutschern und singulären Gewalttätigkeiten. Der Ozeanflieger Charles A. Lindbergh (1902-1974) hat aus gegebenem Anlaß den Schleier vom wahren Gesicht seiner Landsleute gerissen, als er Zeuge der Behandlung japanischer Gefangener wurde, denen amerikanische Soldaten die Goldkronen ausbrachen, ehe sie diese „Untermenschen“ unter lauter Gerumpel verscharrten. „Wir, die wir behaupten, die Deutschen hätten durch ihre Behandlung der Juden die gesamte Menschheit beschmutzt“, heißt es daher in seinem Kriegstagebuch, „haben mit unserer Behandlung der Japaner bewiesen, daß wir um kein Haar besser sind.“ Im übrigen war Lindbergh der Meinung, nicht die Deutschen und Japaner allein, sondern Angehörige aller Nationen hätten sich im Krieg zynisch über die sonst gültigen Normen bürgerlicher Moral hinweggesetzt. Seit der deutschen Wiedervereinigung ist die gouvernantenhafte angelsächsische Attitüde, dem kleinen Bruder inmitten Europas um jeden Preis am Zeuge zu flicken, wieder einmal bis zum Exzeß gesteigert worden. Seit unser Land auf dem besten Wege ist, den verlorenen Weltkrieg zumindest wirtschaftlich doch noch zu gewinnen, schrillen in den Funkhäusern und Redaktionsstuben der Amerikaner wieder einmal die Alarmglocken. Die prominenten Kommentatoren des Landes entwickeln eine geradezu hektische Produktivität, um den 9. November 1989 als einen Tag unsäglichen Unheils zu beschwören und uns mit allerlei Unflat zu bewerfen. Die „Krauts“ werden von ihnen wieder wie bereits in den Tagen, als Präsident Reagan den Soldatenfriedhof in Bitburg besuchte, auf dem auch Angehörige der Waffen-SS beigesetzt wurden, reichlich mit bombastischen Totschlagvokabeln eingedeckt. Offenbar zittern unsere sonst so erfolgreichen amerikanischen Umerzieher wegen der vermeintlichen Gefahr unseres Ausscherens aus der sogenannten „westlichen Wertegemeinschaft“ und einer allzu demonstrativen Ostorientierung, die zugleich eine Abnabelung vom amerikanischen Kolonialismus bedeuten würde. Solange jedoch amerikanische Truppen noch auf deutschem Boden stehen, der „American way of life“ von ahnungslosen Deutschen bis zur Weißglut betrieben wird und uns die alten Haßtiraden von jenseits des Ozeans um die Ohren knallen, kann man kaum ernsthaft von einer neuen deutschen Souveränität oder vom Ende der Nachkriegsära sprechen. Solange die giftige amerikanische Revolverpresse noch ungestört am deutschen Prestige herumkratzen kann, ohne entsprechende Gegenaktionen befürchten zu müssen, wird mit einer Aufwertung des deutschen Namens in Amerika kaum zu rechnen sein. Bei einschlägigen demoskopischen Meinungsumfragen in Gottes eigenem Land nach dem Beliebtheitsgrad einzelner Nationen rangieren wir, was weiter nicht verwundern kann, weit abgeschlagen als mild leuchtendes Schlußlicht. Vielleicht läßt sich eines Tages doch eine deutsche Regierung einmal etwas Gescheites einfallen, diesem unerträglichen Spuk ehrabschneidender Diffamierung ein Ende zu bereiten. Es wäre an der Zeit, das Verhältnis zwischen Deutschen und Amerikanern zu entemotionalisieren und es auf handfesten Realitäten aufzubauen. Offenbar sind aber immer noch genug Kräfte am bösen Werke, die wirtschaftlich bereits kühn an Amerika vorbeiziehenden Deutschen und Japaner als lästige Konkurrenten nicht etwa durch entsprechend höhere Leistungen wieder einzuholen, sondern ihnen durch wahre Breitseiten unqualifizierter Diskriminierungen das Wasser abzugraben.
4. Polen
Von allen Staaten Europas, vielleicht sogar der gesamten Welt, hat sich Deutschland durch seine vertrackte Mittellage in einem ohnehin überbevölkerten Erdteil im Laufe seiner Geschichte immer wieder mit wechselndem Erfolg mit seinen Nachbarn in Ost und West, Nord und Süd auseinandersetzen müssen. Ein Staat, der mit zehn Ländern gemeinsame Grenzen unterhält, muß sich zwangsweise stets der tödlichen Zange eines Mehrfrontenkrieges ausgeliefert sehen. Die unerfreuliche Tatsache, daß Deutschland immer wieder in Kriege verwickelt wurde, deren Ursachen es zumeist selbst nicht zu verantworten hatte, und daß auf seinem Territorium auch Machtkämpfe anderer kontinentaler Mächte ausgetragen wurden, gehört untrennbar zum deutschen Schicksal, das von der Ungunst dieser Mittellage mitbestimmt wurde. Immer war das zerrissene Land gezwungen, fremde Invasionen abzuwehren, und diese vorwiegend defensive Haltung hat den deutschen Volkscharakter entscheidend mitgeprägt. Ganz zu Unrecht hat die ständige Abwehrbereitschaft den Deutschen den leicht zu widerlegenden Makel eines habituellen Militarismus eingetragen. Davon kann bei näherer Betrachtung der deutschen Geschichte ganz und gar keine Rede sein. Von deutschem Boden gingen nämlich die allerwenigsten Kriege aus. Die Legende vom deutschen Militarismus ist eine jener Geschichtslügen, gegen die offenbar selbst Götter vergebens kämpfen. Der Umstand, daß unser Verhältnis zum östlichen Nachbarn Polen immer besonders problematisch war und noch ist, haben wir nicht nur der gemeinsamen offenen Grenze, sondern der gravierenden Gegensätzlichkeit der beiden Volkscharaktere zu verdanken. Um es ohne globale Verallgemeinerung zu sagen: Die Polen haben ihre Inferiorität gegenüber den zweifellos überlegeneren und erfolgreicheren Deutschen seelisch nie so recht verkraften können. Im Grunde haben sie sich nämlich nie über den Status des ewigen Almosenempfängers erhoben. Stets waren sie versucht, begehrlich auf Nachbars Garten zu blicken, statt sich durch eigenen Fleiß einen erträglichen Wohlstand zu schaffen. Selbst in jüngster Zeit geisterte noch der Begriff „Wohlstandsgrenze“ bei den Verhandlungen über die offene polnische Westgrenze in den Köpfen polnischer Verhandlungsführer herum. Offenbar möchten die Polen, ohne eigene Anstrengungen, gern am deutschen Wohlstand teilnehmen. Leider haben sie jedoch das immer noch gültige Wort von der „polnischen Wirtschaft“ nicht durch entsprechende Taten widerlegen können. Ihr pathologischer Länderhunger steht in einem diametralen Gegensatz zu ihrem Talent, Territorien, die sie unter höchst zweifelhaften Umständen anderen abgeluchst haben, auch in blühende Provinzen zu verwandeln. Angesichts des geradezu grotesken Chauvinismus der Polen gelangte bereits der Feldherr des Dreißigjährigen Krieges, Albrecht von Wallenstein (1583-1634), zu der Erkenntnis: „Die Polen sind von Natur der Deutschen Feind.“ Vier Jahrhunderte später rang sich der polnische Diktator Pilsudski bei Gelegenheit das schwerwiegende Wort von der tausendjährigen Deutschfeindlichkeit des polnischen Volkes ab. Der fatale Chauvinismus der unbelehrbaren Polen flammte besonders im 19. Jahrhundert auf und erlangte Hitzegrade, von denen sich Völker mit ausgeglichenerem Temperament kaum eine Vorstellung machen können. Deutschenhaß und Judenhaß schaukelten sich in hitzigen polnischen Gemütern gegenseitig hoch. In beiden Fällen empfand man eine schmerzliche Inferiorität gegenüber der deutschen oder jüdischen Überlegenheit. Der polnische Romancier Wierzbinski machte damals seinem bedrückten Herzen Luft, indem er sich seinen Landsleuten gegenüber über den prototypischen Deutschen so ausließ: „Er besitzt sogar die charakteristische Eigenschaft, daß ihm das Brot, das er dem Nächsten vom Munde reißt, am besten schmeckt.“ Damals hielt man die Deutschen für „bis ins Innerste vergiftet“, und die Totschlageparole „Hau ihn, denn er ist ein Deutscher!“ kursierte im Lande ebenso wie der Slogan „Hundert Jahre soll leben, wer einem Deutschen in die Fresse schlägt! “ Nach dem Ersten Weltkrieg stimmten sich die Polen, die zum Sieg der Alliierten nicht das Geringste beigetragen hatten und die Existenz ihres Staates den Deutschen verdankten, auf das größenwahnsinnige Schlagwort vom „Marsch auf Berlin“ ein. Man brannte förmlich auf eine kriegerische Auseinandersetzung mit den geschwächten Deutschen, denen man nicht nur Oberschlesien, Posen und Westpreußen entrissen hatte, sondern auch noch Ostpreußen und Pommern rauben wollte. Landkarten mit der Aufteilung des östlichen Deutschland bis hin nach Berlin ließ der polnische „Westmarken- Verein“ in großen Mengen verbreiten, um die Ländergier der Polen zu stimulieren. In jedem Fall bildete man sich in völliger Verkennung der Realitäten ein, eines Tages gehörig mit den Preußen abrechnen zu können und ihnen ein zweites „Grunwald“ zu bescheren. Man träumte nämlich immer noch von einer Wiederholung der Schlacht von Tannenberg, in der im Juli 1410 das zahlenmäßig stark unterlegene Heer des Deutschen Ritterordens von den Polen und Litauern geschlagen worden war. Immer aktuell blieb auch der ominöse „Gesang der polnischen Patrioten“ aus dem Jahre 1848, in dem es heißt: „Unser Feind, der Deutsche falle! Wer die deutschen Hunde hängt, wird sich Gottes Lob erwerben.“ Immer schon haben sich die Polen der Hilfe der Kirche bei ihren Massakern an Deutschen versichern können und sich damit so etwas wie ein moralisches Alibi verschafft. Ansonsten haben sie den in ihren patriotischen Gesängen angemahnten Deutschenmord immer wieder in die Tat umgesetzt. Der von den Polen praktizierte pathologische Chauvinismus ist in der deutschen Geschichte nicht denkbar. Schon Otto von Bismarck wußte, was er sagte, als er, den deutschen Volkscharakter anvisierend, im Reichstag feststellte: „Nichts liegt dem deutschen Charakter ferner als die Art Chauvinismus, die darin besteht, daß man die vollständige Vernichtung des Feindes anstrebt.“ In Polen meinte man es hingegen ernst, wenn man zur Vernichtung der Deutschen aufrief. Noch am 10. August 1939, also kurz vor dem deutschen „Überfall“ auf Polen, ließ sich eine polnische Zeitung zu folgender Haßtirade hinreißen: „Immer allgemeiner ist jetzt die Auffassung, daß ‚Karthago‘ zerstört werden müsse. Mit raschen Schritten nähert sich der Augenblick, in dem die Auffassung über die Notwendigkeit der Beseitigung des Pestherdes im Zentrum Europas Allgemeingut wird. Dann wird von Deutschland nur noch ein Trümmerhaufen übrigbleiben.“ Ein paar Wochen später nur mußten die polnischen Traumtänzer ihr verstiegenes Wunschdenken mit der größten Niederlage ihrer Geschichte bezahlen. Ohne ihre unglaublichen Phantastereien von künftigen Annektionen fremder Territorien, die sie dann in Grund und Boden wirtschaften, können die Polen offenbar nicht existieren. Natürlich vollzieht sich dieser Mangel an einem gesunden Realitätssinn in der Regel auf Kosten der Deutschen. Immer wieder taucht in der vernebelten Vorstellungswelt der Polen der Traum von einer neuen Großmachtstellung wie in jagellonischen Zeiten auf, obwohl sie längst nicht einmal mehr die gestaltende Kraft für eine neue funktionierende Staatsbildung besitzen und daher immer neue Teilungen über sich ergehen lassen mußten. Man wird sich damit abfinden müssen, daß realitätsfremde Großmannssucht ein hervorstechender Charakterzug der Polen ist. Sie setzten sich über alles Völkerrecht hinweg und beanspruchten nicht nur urdeutsche Gebiete, sondern auch Wolhynien, Wilna und das Olsagebiet. Nach dem Ersten Weltkrieg nutzten sie die Schwäche Rußlands und Deutschlands aus, um systematisch auf Landraub auszuziehen. Die polnische Westexpansion wurde dann bekanntlich durch den Einsatz deutscher Freikorps am Annaberg gestoppt. Trotzdem mußte die krisengeschüttelte Weimarer Republik 1922, 1923, 1931 und 1932 mit polnischen Militäraktionen gegen Ostpreußen und Oberschlesien rechnen. In den Jahren 1919 bis 1921 wurden rund 400.000 Deutsche von den Polen aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Bis 1939 hatte sich diese Zahl auf anderthalb Millionen Vertriebene erhöht. Der französische General Maxime Weygand (1867-1965) berichtete über seine bitteren Erfahrungen als Verhandlungsführer mit der polnischen Regierung: „Wie kann man diesen zügellosen und verblendeten Polen auf ihrem Pegasus Vernunft beibringen?“ Der amerikanische Präsident Wilson hatte zur gleichen Zeit im Umgang mit Polen folgende Erfahrungen gemacht: „Ich habe sie gebeten, mir zu sagen, was ihrer Meinung nach unter ‚Polen‘ zu verstehen wäre, und sie haben mir eine Karte gezeigt, mit der sie die halbe Welt verlangten.“ Noch im Februar 1939 äußerte sich der polnische Unterstaatssekretär Graf Szembek dem deutschen Botschafter in Warschau gegenüber: „Die Polen sind eine Nation, die zu allem bereit ist. Keine Vernunft kann sie zurückhalten. Sie stimmen allen radikalen Maßnahmen zu.“ Nach dem Tode Pilsudskis, der mit der nationalsozialistischen Regierung noch einen Nichtangriffspakt geschlossen hatte, erreichte die antideutsche Stimmung in Polen einen neuen Höhepunkt. Die säbelrasselnde deutschfeindliche Propaganda lief auf vollen Touren. Für die Polen handelte es sich vor allem darum, wie man nun doch noch die deutschen Ostgebiete, die man in Versailles den Deutschen noch gelassen hatte, ebenfalls an sich bringen könnte. Man erhöhte damals die Armee auf 750.000 Mann, mit denen man, wie der polnische Außenminister Josef Beck (1894-1944) zynisch bemerkte, die „Diskussion über Danzig“ bestreiten wollte. Bekanntlich wurde bereits am 23. März 1939 von den Polen eine Teilmobilmachung verfügt und den Deutschen damit unmißverständlich mit Krieg gedroht. Im Juli des gleichen Jahres hielt der polnische Oberkommandierende, Marschall Rydz-Smigly, vor polnischen Offizieren eine Ansprache, in der er an den Kriegsabsichten Polens nicht den geringsten Zweifel ließ. „Polen will den Krieg“, verkündete er großsprecherisch, „und Deutschland wird ihn nicht verhindern können, selbst wenn es das wollte.“ Die polnische Führung ventilierte den Gedanken, die auf schwankenden Füßen stehende polnische Republik könnte nur durch einen schnellen Sieg über Deutschland saniert werden. Man spielte mit dem Feuer, indem man die deutsche Minderheit auf provozierende Weise schikanierte. Eben diese Entwicklung in Polen hatte der konservative britische Premierminister Lloyd George (1863-1945) bereits in Versailles vorausgesagt, als er die Alliierten vor allzu drastischen Maßnahmen gegen Deutschland warnte. „Ungerechtigkeit, Anmaßung in der Stunde des Triumphes zur Schau gestellt, wird nie vergessen noch vergeben werden“, gab er damals zu bedenken. „Aus diesem Grunde bin ich strikt dagegen, mehr Deutsche von deutscher Herrschaft der Herrschaft von irgendwelchen Nationen zu übertragen, als unbedingt notwendig ist. Ich kann mir keinen stärkeren Grund für künftige Kriege vorstellen, als wenn das deutsche Volk, das sich sicherlich als eine der kräftigsten und machtvollsten Rassen in der Welt erwiesen hat, von einer Anzahl Staaten umschlossen würde, die vorher nie selbständig eine dauerhafte Regierung errichtet haben, deren jeder aber breite Massen Deutscher umfaßt, die nach der Wiedervereinigung mit ihrem Deutschland lechzen. Der Vorschlag der polnischen Kommission, wir möchten 2,1 Millionen Deutsche unter der Herrschaft eines Volkes stellen, das nie während seiner Geschichte die Fähigkeit zu einer starken Selbstregierung bewiesen hat, muß nach meinem Urteil über kurz oder lang zu einem neuen Krieg im Osten Europas führen.“ Der deutsche Historiker und Politologe Michael Freund (1902-1972) ließ sich über das provokative Verhalten der Polen zwischen den beiden Kriegen folgendermaßen aus: „Die Geschichte Polens in den letzten Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg ist eine Geschichte von Heroismus und Narrheit. Diese Nation hat zu viel in geschichtlicher Nacht gelebt, um immer genau die Wirklichkeit der Erde zu erfassen.“ Ähnlich hatte sich übrigens Friedrich Engels schon 1848 über die verstiegenen Polen geäußert: „Die Polen haben nie etwas anderes in der Geschichte getan, als tapfer und krakeelsüchtig Dummheiten gespielt.“ „Sie werden marschieren“, stand für den Diplomaten und Historiker Carl J. Burckhardt (1891-1974) fest, der in den dreißiger Jahren in Danzig als Kommissar des Völkerbundes fungierte. „Die Polen haben ihr Gran an Narrheit. Sie zerschlagen die Weingläser nach Mitternacht; sie sind das einzige unglückliche Volk in Europa, das nach dem Schlachtfeld Verlangen hat. Sie sind ruhmsüchtig und kennen das Maßhalten nicht.“ In den dreißiger Jahren trieb dann die Realitätsfeindlichkeit der Polen gefährliche Blüten. Man spielte herausfordernd mit dem Langmut der deutschen Regierung. Berlin erhob nur einmal Protest, als in Warschau eine Karte verbreitet wurde, auf der Polens Grenze von der Elbe bis nach Moskau reichte und außerdem Litauen mit in ein großpolnisches Reich eingeschlossen war. Immer wieder lebte also die alte polnische Vision von einem „Dritten Europa“ auf. Es handelte sich um eine Wiederauferstehung des jagellonischen Reiches, das von der Ostsee bis zum Dnjepr reichen sollte und in dem nur ein Drittel der Bevölkerung die polnische Sprache sprach. Immer wieder entlud sich der Haß auf den deutschen „Todfeind“, namentlich auf die Volksdeutschen in Polen, die ihre ganze Kraft daransetzten, ein wenig Ordnung in die „polnische Wirtschaft“ zu bringen, und die man mit hemmungsloser Grausamkeit verfolgte.Ehe den unsäglichen Vertreibungsverbrechen nach dem Zweiten Weltkrieg etwa drei Millionen Deutsche zum Opfer fielen, herrschte in Polen bereits eine antideutsche Pogromstimmung. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, den die Polen förmlich herbeigesehnt hatten, um endlich ihren so lange schon geplanten Marsch auf Berlin antreten zu können, befanden sich 70.000 Volksdeutsche aus Polen in deutschen Flüchtlingslagern. Die polnische Minderheitenpolitik setzte sich über alle bestehenden völkerrechtlichen Regelungen hinweg. Sie war vom gleichen hemmungslosen Chauvinismus wie die Außenpolitik geprägt. Man tendierte dahin, „fremde Elemente“ um jeden Preis zu reduzieren, wenn nicht gar völlig auszurotten, auf jeden Fall aber ihnen die Lebensrechte zu beschneiden. Dementsprechend wurden dann auch die deutschen Schulen geschlossen und das Erbrecht der Deutschen annulliert. 1934 kündigte die polnische Regierung sogar das internationale Minderheitenschutzabkommen, das man ohnehin viele Jahre mißachtet hatte. Auch in den dreißiger Jahren hatte die Presse laufend von Deutschenpogromen in Polen zu berichten. Nach dem Tode Pilsudskis im Jahre 1935 verschlechterten sich die deutsch-polnischen Beziehungen so sehr, daß tägliche Ausschreitungen gegenüber Deutschen an der Tagesordnung waren. Polnische Patrioten gaben damals die Parole aus, im Falle eines Krieges mit dem Reich dürfe kein einziger Deutscher lebend davonkommen. Die Beschwörung einer deutschen Bartholomäusnacht in Polen blieb dann auch kein rhetorisches Feuerwerk. Bei Kriegsausbruch wurde sie furchtbare Realität. Am 1. September 1939, als die Berliner Regierung nicht länger passiv zusehen konnte, wie Deutsche zusammengeschlagen wurden, und zurückgeschossen wurde, setzte die angekündigte „Jagd auf Deutsche“ in ganz Polen, vornehmlich aber in der Stadt Bromberg ein, die allein am sogenannten „Bromberger Blutsonntag“ 7.000 Opfer zu beklagen hatte. In diesen Tagen des dynamischen deutschen Vormarsches hatte der Deutschenhaß noch einmal Gelegenheit, sich hemmungslos auszutoben. Miliz und paramilitärische Einheiten zeichneten sich bei diesen Massakern vor allem aus. Nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 steigerte sich der polnische Nationalismus bis zum Exzeß. Der Krieg, den die Polen gewollt und provoziert hatten, hatte nun ohne eigenes Dazutun die Blütenträume der Polen erfüllt. Sie erreichten auf Kosten Deutschlands eine unerwartete Expansion. Außerdem hatte man nun endlich Gelegenheit, sich der vielgehaßten Volksdeutschen zu entledigen und sie rücksichtslos von Haus und Hof zu vertreiben. Die damit verbundenen Verbrechen, deren Erwähnung der sogenannten Entspannungspolitik halber heute in der zwischenstaatlichen Diskussion nicht erwünscht ist, da ein „Aufrechnen“ zumindest bei uns zulande als Störung des faulen Friedens geahndet wird, gehören zu den schlimmsten, die jemals an einer ethnischen Minderheit verübt wurden. Das polnische Lager Lamsdorf, von dessen 8.000 Insassen nur 1.048 überlebten, hat bis heute einen traurigen Symbolcharakter für die Ausmaße des polnischen Deutschenhasses behalten. Ganz allgemein sind aus den deutschen Ostgebieten etwa 16 Millionen Deutsche vertrieben worden. Drei Millionen von ihnen erreichten den rettenden deutschen Boden nicht mehr. Alles in allem eine Schrecken erregende Bilanz eines organisierten Völkermordes also, den man von polnischer Seite aus heute verharmlosend als „Umsiedlungsaktion“, die von den Alliierten veranlaßt und abgesegnet wurde, herunterzuspielen versucht. Während unsere Politiker dieses Tabuthema sorgsam bei ihren Sonntagsreden aussparen, meldete selbst ein so hartgesottener Deutschenhasser wie Winston Churchill moralische Bedenken gegen die einzigartigen Verbrechen an, die ungestraft in den deutschen Ostgebieten begangen wurden. „Das finsterste Mittelalter war nicht so grausam und erfinderisch im Quälen von Menschen wie jene Polen, denen deutsche Menschen hilflos ausgeliefert waren“, faßte eines der überlebenden Opfer diesen Holocaust unschuldiger Deutscher zusammen. Selbst völkerrechtlich stellt die „Umsiedlung“ der Ostdeutschen eines der bedeutendsten Vergehen der Weltgeschichte dar. Man findet in der Tat in der Geschichte keine Parallele zu der Tatsache, daß Menschen eine Kulturlandschaft zwangsweise verlassen mußten, die sie über mehr als 700 Jahren mühsam zu einer blühenden Provinz aufgebaut hatten. Noch gravierender aber scheint es zu sein, daß durch laufende Massen-Desinformation deutscher Medien uns allen ein Schuldkomplex eingehämmert wird, so daß wir gar nicht erst zur Besinnung kommen, über die verschwiegene Schuld der Polen nachzudenken. Selbst auf deutschen Schulen, die diesen Fragenkomplex bewußt ignorieren, besteht in dieser Hinsicht ein kaum glaubliches Bildungsdefizit. Die Vertriebenen selbst, denen man so übel mitgespielt hat, haben später, im August 1950, in ihrer „Charta“ großherzig auf jede Rache und Vergeltung den entfesselten Polen gegenüber verzichtet. Im Gegensatz zu den Juden haben die Deutschen kein Kapital aus diesem Opfergang geschlagen. Nicht einmal ein einziges Denkmal erinnert an diese Kulturschande des 20. Jahrhunderts. Aber man geht fehl in der Annahme, die Polen hätten diese Versöhnungsgeste durch ein entsprechend moderates Verhalten den Deutschen gegenüber honoriert. Es war sogar ein Pole, der kommunistische Generalsekretär Wladyslaw Gomulkas, der im Jahre 1956 dem Thema der Völkerverständigung etwas Hörenswertes beizusteuern hatte. „Der Wahrheit kann man nicht entgehen“, meinte er zutreffend. „Wenn man sie unterdrückt, kommt sie als gefährliches Gespenst wieder.“ Leider haben sich seine Nachfolger diese Weisheit nicht zu Herzen genommen. Sie haben sich nicht einmal dazu durchringen können, das Verbot, deutsche Gefallenengräber des Ersten und Zweiten Weltkrieges in Polen pflegen zu dürfen, aufzuheben. Trotz des spektakulären Kniefalls Willy Brandts in Warschau und der landesverräterischen Preisgabe von einem Viertel deutschen Landes an die immer länderhungrigen Polen wartet man vergeblich auf entsprechende Gesten. Stattdessen schürt man vielmehr wie eh und je den alten polnischen Deutschenhaß. Wie man wirklich immer noch über die Deutschen denkt, hatte erst im April 1990 der jetzige Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa von sich gegeben. „Ich werde eine Äußerung machen, die mich in Deutschland nicht populär machen wird“, gab er in einem Interview mit der niederländischen Wochenzeitung „Elsevier“ zu verstehen, um dann fortzufahren: „Wenn die Deutschen erneut Europa in der einen oder anderen Art destabilisieren sollten, dann wird es in Zukunft nicht mehr zu einer Teilung kommen, sondern man wird dieses Land einfach von der Landkarte ausradieren. Mit der fortgeschrittenen Technologie sind Ost und West gemeinsam in der Lage, dieses Urteil zu vollstrecken. Ich bin davon überzeugt, daß die Deutschen sich dieses Risikos selbst bewußt sind und daß dies eine mäßigende Wirkung auf ihre Haltung in der polnisch deutschen Grenzfrage haben wird.“ Einen ähnlichen Affront gegenüber dem deutschen Nachbarn erlaubte sich der gleiche Walesa, als er den deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker bei seinem Besuch in Danzig, dessen rein deutsche Bevölkerung nach 1945 niedergemetzelt oder aber unter drakonischen Maßnahmen vertrieben worden war, mit den triumphierenden Worten empfing: „Ich begrüße Sie im polnischen Danzig!“ Alle Zeichen der äußersten Selbstentäußerung von deutscher Seite aus haben die Polen nicht dazu bewegen können, ihre Haltung ihren deutschen Nachbarn gegenüber einmal gründlich zu revidieren. Immer noch lassen sie nicht mit sich über eine förmliche Anerkennung
der in ihrem Machtbereich lebenden Deutschen als Minderheit mit allen verbrieften Rechten reden. Weder die kommunistische, noch die derzeitige demokratische Regierung hat sich zu solchen selbstverständlichen Konzessionen im Sinne des Völkerrechts durchringen können. Was aber eher noch schwerer ins Gewicht fällt, ist die Tatsache, daß zwei Drittel von Befragten einer Umfrage angaben, in den Deutschen ihren erklärten „Erbfeind zu erblicken, mit dem keine Verständigung möglich“ sei. Noch Anfang 1990 klebten an Oppelner Lokalen Plakate mit der Aufschrift „Für Hunde und Deutsche kein Eintritt“. Während einer Fernsehsendung über das deutsch-polnische Verhältnis konnte man wahre Orgien an Deutschenhaß erleben. Der Moderator berichtete beispielsweise, sein fünfjähriger Sohn male am liebsten Bilder über den Krieg mit lauter erschossenen deutschen Soldaten. Die Anregungen für diese künstlerischen Offenbarungen empfange er im Vorschulunterricht. Während die deutschen Regierungen unmittelbar nach 1945 den Verzicht auf die deutschen Ostgebiete schlicht als Verrat ablehnten, ist Bonn inzwischen längst über die Köpfe der Betroffenen hinweg den ständigen polnischen Erpressungsversuchen erlegen. Man hat ein Viertel deutschen Landes an notorische Landräuber abgetreten, von denen alle Welt weiß, daß sie in kurzer Zeit das Kunststück fertigbringen, landwirtschaftliche Überschußgebiete in Zuschußgebiete zu verwandeln. Sicher ist nur, daß mit der „endgültigen“ Regelung der Grenzfrage an Oder und Neiße der Landhunger der Polen noch keineswegs befriedigt sein wird. Sie werden sich weitere Repressalien einfallen lassen, um die Deutschen erpreßbar zu halten und das Wohlstandsgefälle zwischen Ost und West ohne eigene Kraftanstrengungen abzubauen. Natürlich sind sich die Polen in ihrem tiefen Innern bewußt, daß die Oder-Neiße-Linie völkerrechtlich eine Unrechtsgrenze ist, und hoffentlich sind sie weise genug, um zu wissen, daß unrechtes Gut nie gedeihen kann. Verständlich daher, daß sie immer wieder angesichts der erdrückenden Nähe der fleißigen Deutschen in eine Art Panikstimmung verfallen werden. Sie werden trotz fortgesetzter Deutschenhetze von unserer Regierung Wirtschaftshilfe fordern und auch erhalten. Für uns Deutsche aber steht es fest, daß der Verzicht auf urdeutsches Land Verrat am deutschen Volk ist und bleibt. Das leidige Polenproblem, das uns über Jahrhunderte hin verfolgt und belastet, ist mit einer solchen unwürdigen Konzession jedenfalls noch keineswegs aus der Welt geschafft.

Kapitel III:
Selbsthaß der Deutschen
Der bis zur Selbstzerstörung ausufernde Selbsthaß der Deutschen scheint ein einmaliges deutsches Phänomen zu sein, das Bismarck schon im Reichstag anprangerte. Diese Perversion des deutschen Charakters stellt sicher das wohl betrüblichste Symptom der so oft diagnostizierten deutschen Neurose dar, gegen die offenbar kein Kraut gewachsen ist. „Ich kenne kein anderes Beispiel in der Geschichte dafür, daß ein Volk diese nahezu wahnwitzige Sucht zeigt, die dunklen Schatten der Schuld für ein Verbrechen auf sich zu nehmen, das es nie beging, es sei denn jenes Verbrechen, sich selbst die Schuld am Zweiten Weltkrieg aufzubürden“, steuerte der amerikanische Historiker Harry E. Barnes diesem traurigen Kapitel deutscher Verhaltensgestörtheit eine bezeichnende Marginalie bei. Schon römische Autoren wußten von unkontrollierten Ausbrüchen des Selbsthasses bei den Germanen zu berichten. Heute sind es vorwiegend unsere famosen Linksintellektuellen, die keine Gelegenheit auslassen, in den Medien, die ihnen mit einer geradezu aufreizenden Ausschließlichkeit zur Verfügung stehen, ihrem Deutschenhaß die Zügel schießen zu lassen.
Diese passionierten Nationalallergiker lassen sich diesen Deutschenhaß der mit ihrer sonstigen Lebensmaxime von absoluter Toleranz so kläglich kollidiert, auch durch noch so überzeugende Argumente nicht trüben. Sie brauchen diese Form von Rassismus, der sich gegen ihr eigenes Volk richtet, um sich einen Nimbus von menschlicher Überlegenheit zu verschaffen. Ihr politisches Credo artikuliert sich sinnigerweise in Losungen wie „Deutschland, halt’s Maul“ oder „Nie wieder Deutschland“ und gipfelt in der Parole „Deutschland verrecke!“, mit der sie mit Sicherheit den Anspruch von Einzigartigkeit erheben können. Bei keinem anderen Volk wären dergleichen Eruptionen von Nationalmasochismus auch nur in Ansätzen denkbar. Natürlich hat diese Art von Selbstzerfleischung wieder einmal so ihre gute alte deutsche Tradition. Der Historiker und Schriftsteller Heinrich von Treitschke (1834-1896) etwa hatte schon in seinem immer noch lesenswerten Kapitel über das „Junge Deutschland“ in seiner „Geschichte des 19. Jahrhunderts“ herausgefunden, daß deutsche Nationalmasochisten ihre Passion mit jüdischen Autoren teilen, die ebenfalls ihre Befriedigung darin suchen und wohl auch finden, „sich selbst mit der äußersten Rücksichtslosigkeit zu verspotten“. „Das Grausamste, was je über Juden gesagt wurde“, fügte Treitschke hinzu, „stammt aus jüdischem Munde.“ Natürlich ließ progressive deutsche Autoren des Vormärz das jüdische Vorbild nicht ruhen, um nun auch ihrerseits ganze Kübel von Unflat über ihr biedermeierlich verschlafenes Volk auszuschütten; eine Attitüde übrigens, die den Dichter Friedrich Hebbel (1813-1863) zu der Bemerkung veranlaßte, viele seiner Kollegen machten sich einen üblen Sport daraus, Deutschland als Spucknapf zu mißbrauchen. Es galt damals als besonders geistreich, wenn man das hilflose Deutschland zur Zielscheibe seines Spottes aussuchte. Was Treitschke noch als „orientalische Witzelei“ herunterspielen konnte, wurde nach der errungenen und sogleich mißbrauchten Pressefreiheit zur wahren Landplage. Für die Liberalen verstand es sich von selbst, „die freche Verunglimpfung des Vaterlandes für das sicherste Kennzeichen der Gesinnungstüchtigkeit zu halten“. Man spekulierte auf die „deutsche Schafsgeduld“ und den „deutschen Hundemut“, um den deutschen Michel, dessen Karikatur damals durch alle Gazetten geisterte, aus seiner politischen Lethargie aufzuschrecken. Man hätte sein Phlegma natürlich gern durch eine Furia tedesca ersetzt gesehen, die zum Sturm auf die Traditionen ansetzte. Seitdem Heinrich Heine (1797-1856) seinen Todeshaß gegen Preußen in wohlgesetzten Reimen austobte, hielten es auch unsere liberalen Literaten für ihre erste Weltbürgerpflicht, ihre eigenen Gefühle der Unterlegenheit an Deutschland und den Deutschen abzureagieren. Unser Zeitgenosse Heinrich Böll etwa repräsentierte noch auf seine provinzielle Fasson die offenbar ewig gleiche deutsche Miserabilität, die in der Tat mit dem Anspruch auf Einmaligkeit in der Welt auftreten kann. Bismarck hielt solche unsicheren Kantonisten bekanntlich für krankhafte Ausnahmen, die er nicht zu den Deutschen zählte. Schon Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) hatte auf Grund trüber Erfahrungen mit kosmopolitischen Deutschen, die ein multikulturelles Konzept vertraten, in seinem 1871 erschienenen Hutten-Epos jene „nichtswürdige deutsche Libertät“ angeprangert, „die prahlerisch im Feindeslager steht“. Schon damals glaubte man also, seine Liberalität, der man ein moralisches Gütesiegel verlieh, am ehesten dadurch zu beweisen, daß man sich ausdrücklich außerhalb seines eigenen Volkes stellte. Im Weimarer Interregnum bot sich unseren „Asphaltliteraten“ ausgiebig Gelegenheit, ihre antideutschen Ressentiments von Zukurzgekommenen am geschlagenen Deutschland auszutoben. Die veröffentlichte Meinung kokettierte mit ihrem verblasenen Internationalismus, allerdings bekanntlich mit dem naheliegenden Erfolg, daß sie damit eine nationale Opposition hochschaukelte, die dann auf ihre Fasson deutsche Geschichte schreiben sollte. Zum unabdingbaren Berufsethos unserer Literaten nach dem Zweiten Weltkrieg gehört vor allem das Zersetzen um jeden Preis. Sie schüren nach besten Kräften den Deutschenhaß, um der ersehnten multinationalen Gesellschaft in diesem Lande den Weg zu bereiten und damit der deutschen Sache einen wohlgezielten Tiefschlag zu versetzen. Für sie versteht es sich von selbst, das wohlpräparierte Hitler-Syndrom auf Biegen und Brechen am Leben zu erhalten und alle Entlastungsindizien vorwiegend ausländischer Historiker, denen die deutsche Selbstbeschuldigungsmanie gehörig gegen den Strich geht, zu unterlaufen. Wer im „freiesten deutschen Staat“ der Stimme seines Gewissens folgt und es nicht lassen kann, dem gesunden Menschenverstand eine Bresche durch das Dickicht von Tabus und Vorurteilen zu schlagen, hat mit einem empfindlichen Karrierebruch zu rechnen. Er wird mit einem Totschweige-Etikett versehen und zur Persona non grata, zur Unperson, deklariert. Es muß wohl späteren Chronisten unserer Zeit überlassen bleiben festzustellen, ob sich unsere „negative Elite“ aus purem Opportunismus oder ganz einfach aus geistiger Unbedarftheit und Instinktlosigkeit ins Lager unserer Feinde schlug. Bekanntlich blieb der sozialdemokratische Ex-Bundeskanzler Willy Brandt, der in der Emigration seinen fanatischen Deutschenhaß in Schriften wie „Verbrecher und andere Deutsche“ auslebte und später durch die mit seinem Namen in Zusammenhang gebrachte Kulturrevolution der 60er Jahre Entscheidendes zur Chaotisierung dieser Republik beitrug, lange das Idol für viele, die sich nicht dem Vorwurf eines Modernitätsrückstandes aussetzen wollen. Wahrscheinlich gehören seine Parteigänger zu jener Kaste von Liberalen, die schon Theodor Storm (1817-1888) im Sinne hatte, als er meinte, sie wirkten innerhalb des Volkskörpers wie Gifttropfen, „die uns im Blute gären“. Aus der jüngeren deutschen Vergangenheit lassen sich ganze Anthologien von deutschfeindlichen Sentenzen aus der Feder unserer professionellen Unterminierer zusammenstellen. All diese unausgegorenen Gedanken bestätigen letztlich nur die Beobachtung des Schriftstellers Thomas Mann (1875-1955) aus der Zeit des Ersten Weltkrieges: „Die Tatsache besteht, daß die deutsche Selbstkritik schnöder, bösartiger, radikaler, gehässiger ist als die jedes anderen Volkes, eine schneidende, ungerechte Art von Gerechtigkeit, eine zügellos-sympathielose Herabsetzung des eigenen Landes nebst inbrünstiger Verehrung anderer.“ Um nur einige Indizien zur Bestätigung dieser Erkenntnis anzuführen: Die 1917 in Dänemark geborene und heute in Frankfurt lebende Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich leistete sich beispielsweise bei einem Fernsehauftritt das makabre Bonmot, es wäre durchaus kein Schaden, wenn die Deutschen endlich aussterben würden. Sie bewegte sich damit auf den ausgetretenen Pfaden des hoffentlich unvergessenen Henry Morgenthau unseligen Angedenkens. Der Schriftsteller Joseph von Westphalen überraschte die Deutschen, die ohnehin an starken Tobak gewöhnt sind, mit dem ungezügelten Haßausbruch: „Wer die deutsche Bestie nicht wahrhaben will, jenen widerlichsten Typus des Zweibeiners, den die menschliche Rasse bisher hervorgebracht hat, der ist blind und unbelehrbar.“ Selbst der mit allen Klassikerehren bedachte Frankfurter Goethepreisträger Arno Schmidt, der unsere Sprache bis zur Unansehbarkeit schrecklich strangulierte, äußerte sich über seine Landsleute in einem geradezu klassischen Zitat: „Die Deutschen sind immer noch derselbe unveränderliche Misthaufen, ganz gleich, welche Regierungsform. Schließlich ist es ja auch wirklich egal, ob ein Kuhfladen rund oder ins Quadrat getreten ist: Scheiße bleibt’s immer.“ Völlig aus ihrer Contenance gerieten unsere Linksintellektuellen jedoch, als auf den Straßen und Plätzen der Ex-DDR die Rufe „Deutschland einig Vaterland“ und „Wir sind ein Volk“ skandiert wurden. Da hatte man uns den letzten Rest von Nationalgefühl, das uns noch erlaubt war, über Jahrzehnte hinweg gründlich auszutreiben versucht, um nun so etwas wie ein nationales Erwachen zu erleben. Mit dem Debakel des real existierenden Sozialismus und der deutschen Teilvereinigung sahen unsere Umerzieher nun alle ihre Felle davonschwimmen. In der ersten Panik malte man das Gespenst eines „Vierten Reiches“ an die westdeutschen Wohlstandsfassaden und trauerte tränenden Auges der Utopie eines Sozialismus mit menschlichem Antlitz nach. Dem Hoffnungsträger und damaligen Kanzlerkandidaten der SPD, Oskar Lafontaine, schwante Schreckliches. Er forderte nach diesem Schicksalsschlag kategorisch: „Das Unternehmen Nationalstaat muß ein multinationales Unternehmen werden“ und fiel damit bei der Bundestagswahl am 2. Dezember 1990 prompt auf die Nase. Durch Horrorvisionen und unqualifiziertes Europa- Geschwafel ließen sich die Menschen ihre natürliche Freude an einem elementaren nationalen Erlebnis nicht so ohne weiteres vermiesen. Natürlich sind mit der deutschen Teilvereinigung die ewigen Miesmacher nicht vom Erdboden verschwunden. Mit dem Gnadengeschenk unserer vermeintlichen Souveränität und nach dem Rückzug der Alliierten fungieren sie als deren Lakaien wie eine innere Besatzungsmacht. Im übrigen wird diese Mediennomenklatur so bald ihre Sessel nicht räumen. Ihre Politruks werden ihre Positionen, die ihnen niemand streitig macht, mit Zähnen und Klauen zu verteidigen verstehen. Und im übrigen: Was schert unsere „geistige Schickeria“ schon dieses neue Deutschland, nachdem sie mit dem alten schon nicht viel im Sinn hatte, obwohl es ihnen alle Privilegien zuschanzte? London, Paris oder Rom standen ihnen immer schon viel näher als etwa Berlin, Leipzig oder Halle. Breslau oder Königsberg scheinen ihnen gar auf einem anderen Stern zu liegen. Überhaupt assoziieren sie mit allem, was hinter der Elbe liegt, höchstenfalls noch Begriffe wie Ordnungsmacht oder stures Junkertum. Unseren Staatspoeten rutschte einfach der Boden unter den Füßen weg, als das historische Naturereignis der Wiedervereinigung unvorhergesehen über die Deutschen hereinbrach. Sie scharten sich hilfesuchend um die ideologischen Einpeitscher des von ihnen vertretenen Sozialismus, der so unvermittelt sein Leben ausgehaucht hatte. Als einer der ersten ließ sich der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas (geb. 1929) zwischen zwei Buchdeckeln über die „nachholende Revolution“ aus, indem er die Schale seines Zorns über den Gott der Geschichte ausschüttete, der die Wiedervereinigung zugelassen hatte. Dieses letzte Fossil einer mit Pauken und Trompeten an der harten Wirklichkeit gescheiterten weltfremden und menschenmordenden Ideologie sah bereits einen neuen Nationalismus in Germanien heraufdämmern. Verständlich, daß ihm der „pausbäckige Nationalismus“ der Leipziger so gewaltig gegen den Strich ging und er ihm aus unerfindlichen Gründen nur den Stellenwert eines Stukas aus dem letzten Krieg zubilligte. Der von der Wiedervereinigung angerichtete politische Flurschaden habe inzwischen schon solche Ausmaße angenommen, daß sogar die Entschädigungszahlungen an polnische Fremdarbeiter ernsthaft gefährdet seien, schüttete Habermas sein betrübtes Herz aus. Schwer für einen Ideologen, der sich in einem entlegenen Elfenbeinturm eingeigelt hat, zu begreifen, daß ihm die Zeit davongelaufen und der verdammte Nationalismus auf dem besten Wege ist, die bestehende Weltordnung geradezu auf den Kopf zu stellen und das Antlitz Europas völlig zu verändern. Natürlich meldete sich wie stets bei deutschen Schicksalsfragen überlebensgroß der Schriftsteller Günter Grass (geb. 1927) zu Wort und schlug wieder einmal in bezug auf seine Fernsehpräsenz alle Rekorde. Der abgehalfterte Blechtrommler stellte seine versäumten Geschichtslektionen unter Beweis, als er seinen Zuschauern weismachen wollte, der deutsche Nationalstaat habe auf direktem Wege nach Auschwitz geführt; denn – so schloß er messerscharf – einzelne Bundesländer wären gar nicht erst imstande gewesen, eine so großangelegte Aktion wie einen Völkermord zu planen, geschweige denn durchzuführen. Nun kann man dem Kaschuben Grass, der nie deutsch empfinden konnte, allenfalls noch nachsehen, daß ihm zum Thema Deutschland nur Unausgegorenes einfallen wollte. Keine mildernden Umstände aber möchte man unseren Mediengewaltigen gewähren, die diesem Schrumpf deutschen immer noch Gelegenheit bieten, die Deutschen als „gefährlich“ oder „unerträglich“ oder gar als ein „Unheil Europas“ vor aller Welt zu diffamieren. Selbst sein sonst so verläßlicher Sekundant Rudolf Augstein, Herausgeber des „Spiegel“, der noch rechtzeitig auf den davonrasenden Zug der Wiedervereinigung gesprungen war, um einen komfortablen Platz darin zu ergattern, ließ ihn diesmal schmählich im Stich. So hatte dieser gestandene Germanophobe allein unter seiner schweren Last, ein Deutscher zu sein, zu tragen. Natürlich ließ sich auch Erich Kuby (geb. 1910) nicht lumpen, seinen Kommentar zum Thema Wiedervereinigung pünktlich abzuliefern. Die Deutschen wären wahre Ausbunde an Aggressivität, gibt er darin zu verstehen, und eigentlich nur hinter Mauern denkbar. Er steht mit dieser Meinung unter deutschen Literaten nicht allein. Ein Mitarbeiter der schon erwähnten Berliner „tageszeitung“ tutet mit ihm ins gleiche Horn, wenn er schreibt: „Die Deutschen, also die, die sich den sogenannten Stolz einbilden, deutsch zu sein, gehören in Schach gehalten, notfalls hinter Mauern und Stacheldraht.“ So forsch läßt man links von der Mitte seinen „umgekippten Rassismus“ ins Kraut schießen. Vorurteile gegen Deutsche sind offenbar ein sicheres Indiz für aufgeklärtes Denken. Eine ganz besonders aparte Variante eines ungebändigten Rassismus bot in jenen Tagen aber der Münchener Literat Patrick Süskind. Seine in gestelzter Prosa verfertigte Deutschenbeschimpfung vermittelt eine vage Ahnung davon, was alles den Deutschen ins Haus stehen würde, sollten Leute seines Kalibers das große Sagen in diesem Staate erhalten. Dieser literarische Star Neudeutschlands, dessen Roman „Das Parfüm“ zu Bestsellerehren emporgehievt wurde, geriet angesichts der Rasanz, mit der wieder einmal in Deutschland Geschichte gemacht wurde, förmlich ins Trudeln. Als er die Sprache notdürftig wiedergefunden hatte, polterte er fassungslos drauflos: „Auf Potenzstörungen waren wir vorbereitet gewesen, auf Prostata, Zahnersatz, Monopause, auf ein zweites Tschernobyl, auf Krebs und Tod und Teufel – bloß nicht auf ‚Deutschland einig Vaterland ‚ . “ Beim Fall der Mauer, der selbst hartgesottenen Konsumbürgern Tränen der Rührung entlockte, fiel Süskind auch nichts Besseres ein, als schieren Haß zu artikulieren. Die Spucke wäre ihm weggeblieben, beteuerte er wichtigtuerisch. Als schließlich sogar der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Walter Momper, trotz seines roten Schals ein Stück seines Herzens für Deutschland entdeckte, raunzte der Münchener Lokalpoet nur noch entrückt vor sich hin: „Hat der Mann noch alle Tassen im Schrank?“ Und als endlich gar der Wendeartist Willy Brandt („Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“) seinen Salto mortale vollzog, gab es für Süskind keinen Zweifel an der beginnenden Senilität seines einstigen Idols. „Ein klarer Fall von Alzheimer“, räsonierte er resigniert. In jenen denkwürdigen Tagen, da selbst die Sockel, auf denen jahrzehntelang Karl Marx seinen Platz hatte, zu wanken begannen und er seinen letzten Jüngern unmerklich unter den Händen wegsackte, söhnte sich Süskind sogar mit der von seinen Brüdern im Geiste so gern begeiferten, im Grunde aber so ungemein komfortablen Bundesrepublik aus, die ihm zu Bestsellerehren verholfen hatte. Ihr hätte er in ihrer ganzen Unbedarftheit eine ungetrübte Weiterexistenz im Schatten der großen Weltpolitik gegönnt. „Uns hat das Erdbeben kalt erwischt“, beendete er seinen Grabgesang auf die ach so gemütliche Nachkriegszeit, in der Literaten seiner Couleur ungestört im Trüben fischen konnten und nicht die geringsten Sorgen auszustehen hatten, da naive und unbedarfte Leser sich um ihre Angstprodukte förmlich rissen. Auch den „Konkret“-Herausgeber Gremliza muß es an jenem 9. November 1989 offenbar den Atem verschlagen haben, als sich eine Nation spontan um den Hals fiel. Zu diesem Ereignis rang er sich den folgenden Kommentar ab: „Die Deutschen können es bei klarem Bewußtsein nicht miteinander aushalten, sondern nur mit Rotz und Fusel, betroffen und besoffen.“ Auch die literarische DDR-Prominenz tat sich schwer, Haltung zu bewahren, als die Wandlitzer Greise nach über vierzig schrecklichen Jahren endlich ihre Stühle räumen mußten. Schriftsteller wie Heym, Hermlin und Christa Wolf konnten ihrem so lange unter Verschluß gehaltenen Deutschenhaß nun endlich freien Lauf lassen. Angesichts des Aufflammens eines Nationalgefühls, das lange unter der Asche geglüht hatte, witterten sie offenbar den Ausbruch eines neuen Furor teutonicus, den sie aus ihrer Sicht natürlich für geschäftsschädigend halten mußten. Unsere gesamte literarische Creme überbot allerdings wieder einmal der Gottvater aller pseudo-intellektuellen katilinarischen Existenzen in diesem geschundenen Lande. Gemeint ist Walter Jens (geb. 1923), Schriftsteller, Literaturkritiker und Professor für Rhetorik an der Universität Tübingen, der wieder einmal konkreten Anlaß hatte, seine antideutschen Ressentiments ins Kraut schießen zu lassen. Bekanntlich hätte er am liebsten längst schon die Vokabel „deutsch“ aus allen Wörterbüchern gestrichen gesehen. Als dann zu allem Überfluß auch noch Bekkenbauers Elf mit der Trophäe des Fußball-Weltmeisters in Frankfurt ihren Einzug hielt, war es mit seiner Fassung vorbei. Am liebsten, so gab er in einem Gespräch mit der „Stuttgarter Zeitung“ zu verstehen, hätte er den fragwürdigen Ruhm den schwarzen Kickern aus Kamerun überlassen. Unserem Land hätte es „weltweit größeres Prestige“ eingebracht, fabulierte Jens, gegen Kamerun „fair und nobel“ zu verlieren, als den Titel zu gewinnen. Patriotismus ist wie Moral und Charakter eben Glücksache. Was soll man aber auch noch von einem Volk denken, in dessen höchstem parlamentarischen Gremium, dem Deutschen Bundestag, eine Abgeordnete ungerügt folgendes Bonmot zum Besten geben darf: „Ich wollte, daß Frankreich bis zur Elbe reicht und Polen direkt an Frankreich grenzt.“ Apropos „Volksvertreter“: Wessen Geistes Kind deutsche Parlamentarier sind, offenbarte unlängst auch die Europaabgeordnete der „Grünen“, Dorothee Piermont. Mit scharfen Worten wandte sie sich gegen eine Erhöhung der Zahl der deutschen Abgeordneten um 18 auf 99 Mandate und gab im Europäischen Parlament folgende Stellungnahme zu Protokoll, in der es u. a. heißt: „Ein Jahr ist vergangen, seit die Bundesrepublik die DDR schluckte. Der Bissen bleibt ihr zwar vorübergehend etwas im Halse stecken, wird aber mittelfristig Großdeutschland stärken und läßt ihm schon jetzt den Kamm schwellen … 16 Millionen neue Bürger (können) keineswegs nur durch zusätzliche Abgeordnete, sondern ebensogut im Rahmen des bisherigen Kontingents vertreten werden … Man ist wieder wer und möchte das auch dargestellt sehen, zum Beispiel, indem Berlin, Hauptstadt des Bismarck- und Nazireiches, wieder zur Hauptstadt gekürt wird, indem der Leichnam des Preußenkönigs Friedrich, auf dessen Konto der Schlesische Krieg und eine polnische Teilung gehen, als Symbol deutscher Kontinuität mit militärischen Ehren nach Berlin transferiert wird oder indem man die kollektive Verantwortung für zwölf Jahre Nazi-Greuel vom Tisch wischt und auf dem Boden ehemaliger KZs Supermärkte baut… Laut dem ‚Spiegel‘ herrscht in Europa wieder Angst vor den Deutschen. Zu Recht, wie ich finde. Ich lehne daher jede Erhöhung der Anzahl der deutschen Abgeordneten im Europäischen Parlament ab!“ Hier haben wir es offenbar nicht nur mit einem gravierenden Charakterfehler zu tun, sondern auch mit ostensiven Symptomen eines induzierten Irreseins, das bereits anstaltsreif ist. Vor allem sind es unsere Hochschulabsolventen, die, um ihr angekratztes Image wieder aufzupolieren, es als schick empfinden, Gefallenendenkmäler zu demontieren und Deserteure zu glorifizieren. Sie gehören jenem degenerativen Typ an, die einen überzogenen Liberalismus mit einer geradezu dusseligen Intoleranz hochspielen. Das bitterböse, aber ernst gemeinte Kaiserwort von den „vaterlandslosen Gesellen“ hat im Hinblick auf ihresgleichen eine verdächtige Aufwertung erfahren. Diese aber indiziert haargenau den Grad unserer moralischen Verlotterung, der die Deutschen offenbar nichts mehr entgegenzusetzen haben. Als unkritische Opfer und Objekte einer hochnotpeinlichen Umerziehung an Haupt und Gliedern scheinen wir alle Maßstäbe für das uns als Volk noch Zumutbare verloren zu haben. Eltern machen sich nämlich bereits einer Sünde wider den heiligen Geist unserer multinationalen Gesellschaft schuldig, wenn sie ihren Nachwuchs mit guten deutschen Namen fürs wildbewegte Leben ausstatten. Jeder Küchenchef aber, der seine Gerichte mit deutschen Bezeichnungen auf seiner Speisekarte anbietet, setzt sich dem fürchterlichen Verdacht aus, einem „kulinarischen Faschismus“ zu huldigen. Solange wir uns selbst der perversen Lust der Selbstzerfleischung hingeben, können wir nicht von unserer Umwelt erwarten, daß sie uns entsprechend unseren Meriten zu würdigen versteht und uns freundschaftliche Empfindungen entgegenbringt. So etwas wie eine selbstverständliche nationale Hygiene ist bei uns Deutschen eigentlich nie gezielt betrieben worden. Zumindest auf diesem Gebiet besteht noch ein gewaltiger Nachholbedarf. Aber was soll man schließlich von einem Land erwarten, dessen Präsidenten mit Bravour einen negativen Chauvinismus betreiben und mit der Repräsentanz der elementarsten nationalen Würde ihre Schwierigkeiten haben? Gustav Heinemann zum Beispiel, der von 1969-1974 Bundespräsident war, wich auf die naheliegende Frage, ob er denn nun eigentlich Deutschland liebe, bezeichnenderweise mit der vielsagenden Floskel aus: „Ich liebe meine Frau.“ Mit Deutschland hatte er offenbar nur wenig oder gar nichts im Sinn. Auch einige seiner Nachfolger im höchsten Amt dieser unserer Republik konnten beim besten Willen ihr Herz nicht für Deutschland entdecken. Sie werden daher kaum in die Reihe jener großen Deutschen eingeordnet werden können, die ihr zugegeben schwieriges Vaterland geliebt und auch dafür gelitten hatten. Eine Hoffnung aber bleibt noch: Eines Tages dürfte das nationale Erwachen, das zur Zeit um die Welt geht, auch unsere verspätete Nation erreicht haben.
Kapitel IV:
Nationale Würde
Daß die „unruhigen“ oder gar „unheimlichen“ Deutschen sich bei ihren Nachbarn im Laufe ihrer Geschichte nicht gerade Pluspunkte an Sympathie erwerben konnten, ist eine Tatsache, mit der wir leben müssen. Was sich nämlich über unser nicht ganz unproblematisches Verhältnis zu den Franzosen, Engländern, Amerikanern und Polen sagen ließ, kann man auch auf unsere nächsten Nachbarn übertragen. Die Niederländer etwa sehen sich immer noch im Schatten des größeren Bruders, dessen quantitative und qualitative Überlegenheit für sie ein beständiger Stein des Anstoßes bedeutet. Grund genug für sie, ihren Deutschenhaß, für den sie den Terminus „Moffenhaat“ in ihren Sprachgebrauch eingeführt haben, zu kultivieren. Obwohl die Niederländer ihren relativen Wohlstand vor allem ihren Exporten nach Deutschland verdanken, halten sie es keineswegs für opportun, ihr Verhältnis zu den Deutschen, das durch die Besetzung während des Krieges immer noch gespannt ist, zu revidieren. Man entsinnt sich, daß beispielsweise bei Fußballänderspielen die unterschwellige Feindseligkeit der Holländer gegen uns oft recht spektakulär überschwappt und kaum noch zu zügeln ist. Man kann den „Moffen“, also den „Muffigen“, augenscheinlich ihren Arbeitseifer so ohne weiters nicht verzeihen. Nach neueren Umfragen hält man sie ganz allgemein für zu förmlich und für nicht flexibel genug. Auch ihre Autoritätsgläubigkeit und die legendäre deutsche Gründlichkeit scheinen unüberwindliche Barrieren auf dem Weg zu gutnachbarlichen Beziehungen zu sein. Übrigens segeln die Belgier in dieser Hinsicht ganz im Fahrwasser der Tulpen- Züchter mit. Bei ihnen haben offenbar die englischen Greuelmärchen der beiden Weltkriege immer noch nachwirkende Spuren hinterlassen. Die Schweizer, die sich offenbar etwas auf ihre alte Stadtkultur zugute halten, haben immer ein wenig süffisant auf die jüngere Rasse der Reichsdeutschen heruntergeblickt und sich in der Rolle einer alles bekrittelnden Gouvernante gefallen. Die Abneigung gegen die Deutschen schlägt zur Zeit wieder einmal ihre besonderen Kapriolen in der Weise, daß sich die wackeren Schwyzer immer mehr von unserer Schriftsprache abnabeln und ihr Herz für ihr wenig klangvolles und welthaltiges Schwyzerdütsch entdeckt haben. Sie betreiben damit einen engstirnigen Provinzialismus, der weder wirtschaftlich noch kulturell für sie zu Buche schlagen dürfte. Auch die Italiener gehen mit ihrem ehemaligen Verbündeten und verläßlichsten Devisenbringer nicht gerade sensibel um. Die Mailänder Zeitung „Il Giorno“ machte erst kürzlich ihrem bedrückten Herzen Luft, als sie bekannte, die Deutschen wären immer noch genauso „dumm, grausam und ehrlich“ wie eh und je. Dem Kommentator will es partout nicht in den Kopf, warum sich seine Landsleute während des letzten Krieges so lange von den „Krautfressern“ an der Nase herumführen lassen konnten, da es sich bei diesen doch nur um ausgemachte Trottel gehandelt haben dürfte, in denen allerdings ein „Gemüt wie das von Hitler“ gesteckt haben müsse. Als Prototyp des Urdeutschen stellt sich der Mailänder einen blonden Schauspieler vor, „wie von Goebbels erdacht, der sich ruckartig bewegt und heimtückische Augen macht, der fett ist und schreit wie ein Wächter von Dachau“. Obwohl wir doch nun so lange schon die undankbare Rolle der „zu melkenden Kuh“ für unsere NATO- und EG Partner spielen, verpassen sie uns von Zeit zu Zeit höchst zweifelhafte Komplimente. Trotz einer unverkennbaren Jovialität des derzeitigen Präsidenten Vaclav Havel den Deutschen gegenüber schüren die tschechischen Intellektuellen nach wie vor die alten antideutschen Ressentiments. So ließ sich der Leitartikler des Prager Blattes „Lidove Noviny“ in bezug auf das tschechisch-deutsche Verhältnis folgende Unzumutbarkeit einfallen: „Als unsere deutschen Mitbürger durch das Münchener Abkommen von der Tschechoslowakei ‚befreit‘ wurden, nahmen sie auch noch ein Drittel unseres Territoriums gratis mit. Als sich das Rad der Geschichte innerhalb von sieben Jahren etwas gedreht hatte, und zwar nicht durch ihr Verdienst, blieben die Sudetendeutschen in Deutschland. Nur das gestohlene Land mußte zurückgelassen werden.“ Das Prager Blatt unterließ es leider, auch von den 54 Deutschen zu berichten, die am 4. März 1919 unter dem Kugelhagel des tschechischen Militärs auf den Straßen ihrer Städte verbluteten. Sie waren die ersten Opfer einer tschechischen Minderheitenpolitik, die sich über alle Regeln des Völkerrechts hinwegsetzte. Die unter unsäglichen Grausamkeiten vollzogene Vertreibung von drei Millionen Sudetendeutschen aus ihrer Heimat gehört zu den beschämendsten Kapiteln des tschechischen Nationalismus. Die Deutschen wurden als „Halb-Menschen“ zum Abschuß freigegeben. Schon vor Kriegsende hatte Eduard Benesch (1884-1948), der Chef der tschechischen Exilregierung, von London aus eine Botschaft an seine Landsleute gerichtet, in der es hieß: „In unserem Land wird das Ende des Krieges mit Blut geschrieben werden.“ Auch der Chef der tschechischen Streitkräfte im Ausland verkündete über den englischen Rundfunk: „Wenn unser Tag kommt, wird die ganze Nation dem hussitischen Schlachtruf folgen: ‚Schlagt sie, bringt sie um, laßt keinen am Leben!‘ 300.000 deutsche Männer, Frauen und Kinder wurden dann auch nach der Kapitulation förmlich zu Tode gemartert. Benesch stimulierte die Mordlust seiner Landsleute, indem er eine hundertprozentige Liquidierung aller Deutschen forderte. Ein Deutscher, so beschwor er die Tschechen, besäße keine Seele, und die Worte, die er allein verstehen könnte, wären die Salven tschechischer Maschinengewehre. In Rußland waren es vor allem die Intellektuellen, die während des Krieges mit blutrünstigen Haßparolen zur Vernichtung der Deutschen aufriefen. Der Romancier Michail A. Scholochow, der 1965 den Nobelpreis für Literatur erhielt, gab sich damals dazu her, eine 1942 erschienene „Schule des Hasses“ zu verfertigen. Mit der griffigen Parole „Töte den Deutschen“ überbot allerdings der russische Jude und Kriegspropagandist Ilja Ehrenburg wahrscheinlich alle verbalen Exzesse des Deutschenhasses. In dem in seinem Buch „Der Krieg“, Moskau 1943, abgedruckten Flugblatt-Text heißt es: „Die Deutschen sind keine Menschen. Von jetzt ab ist das Wort ‚Deutscher‘ für uns der allerschlimmste Fluch. Von jetzt ab bringt das Wort ‚Deutscher‘ ein Gewehr zur Entladung. Wir werden nicht sprechen. Wir werden uns nicht aufregen. Wir werden töten. Wenn du nicht im Laufe eines Tages wenigstens einen Deutschen getötet hast, so ist es für dich ein verlorener Tag gewesen … Wenn du einen Deutschen getötet hast, so töte einen zweiten – für uns gibt es nichts Lustigeres als deutsche Leichen. Zähle nicht die Tage. Zähle nicht die Kilometer. Zähle nur eines: die von dir getöteten Deutschen! Töte den Deutschen! – dieses bittet dich deine greise Mutter. Töte den Deutschen! — dieses bitten dich deine Kinder. Töte den Deutschen! — so ruft die Heimaterde. Versäume nichts! Versieh dich nicht! Töte!“ In Zeitungen und weiteren Flugblättern ermunterte er die Russen, die Deutschen wie Unmenschen zu behandeln, sie niederzumachen und den letzten „Fritzen“ im Zoo auszustellen. Seine Aufforderung zum Genozid gipfelte dann in der kategorischen Aussage aller Sowjetsoldaten: „Wir werden nicht schänden, wir werden nicht hören, wir werden nur totschlagen.“ Bis auf das Schändungsverbot sind die russischen Soldaten mit asiatischer Brutalität dieser Devise gefolgt. Sogar in den offiziellen sowjetischen Tagesbefehlen tauchten solche sadistischen Ausbrüche des Deutschenhasses auf. „Nun stehen wir vor der Höhle, aus der heraus die faschistischen Angreifer uns überfallen haben“, hieß es in einem Tagesbefehl vom 12. Januar 1945 beim Überschreiten der Grenze. „Wir bleiben erst stehen, nachdem wir sie gesäubert haben. Gnade gibt es nicht — für niemanden. Es ist unnötig, von Soldaten der Roten Armee Gnade zu fordern. Sie lodern vor Haß und Rachsucht. Das Land der Faschisten muß zur Wüste werden.“ Nicht aus Mitleid mit den Opfern, sondern aus dem Kalkül heraus, die Deutschen für die Idee der kommunistischen Weltrevolution zu gewinnen, plädierte Stalin schließlich für die Einstellung des großen Mordens und rief Ehrenburg zur Ordnung. Damals prägte er das bekannte Wort: „Die Hitler kommen und gehen, aber das deutsche Volk bleibt immer bestehen.“ Die Skandinavier schließlich haben ihr antideutsches Trauma seit den Tagen der deutschen Invasion in Dänemark und Norwegen, die ein Präventivschlag gegen Großbritanniens Invasionspläne war, bis auf den heutigen Tag nach besten Kräften kultiviert. Die Apologeten der deutschen Position in der Welt wie der norwegische Literaturnobelpreisträger Knut Hamsun (1859-1952) oder der aus Schweden stammende Asienforscher Sven Hedin (1865-1952), die bis zuletzt an der Integrität Hitlers und der Gerechtigkeit der deutschen Sache keinen Zweifel ließen, sind unter den Nordlichtern durchaus exzeptionelle Erscheinungen geblieben. Solange uns aus aller Welt immer noch ganze Wogen ungezügelten Hasses entgegenschlagen, befinden wir uns im Grunde immer noch in einem latenten Kriegszustand. Selbst der Umstand, daß wir ein demontiertes Land wieder in eine blühende Region verwandeln konnten, hat uns nur wenig Sympathie eingetragen. Wir haben uns nicht dabei aufgehalten, unsere Wunden zu lecken, wie man es von uns erwartet hatte. Presse und elektronische Medien haben seit der Kapitulation eigentlich nie aufgehört, erbarmungslos auf uns einzudreschen und uns zum klassischen Verbrechervolk emporzustilisieren. Wirkungsvoller Widerspruch gegen diese unfaire Weise einer Völkerverhetzung ist von deutscher Seite bisher nicht erfolgt. Wir haben nur devot und gottergeben unsere Köpfe eingezogen und uns mit einschläfernder Monotonie zu unserer Schuld bekannt. Man kann aus dieser Art politischer Selbstverstümmelung eigentlich nur den Schluß ziehen, daß ein Land, das global die ihm aufgezwungene Rolle des Prügelknaben übernommen hat, hinter dessen breitem Rücken die anderen die von ihnen begangenen Schandtaten risikolos verstecken können, sich bereits aus der Geschichte abgemeldet hat. Schon heute haben wir es soweit gebracht, daß wir jeden Fußtritt, den man uns rüde vors Schienbein versetzt, widerspruchslos akzeptieren und ihn darüber hinaus womöglich noch als außenpolitischen Erfolg feiern. Man sollte von der modernen Verhaltensforschung eigentlich gelernt haben, daß eine so ostentativ zur Schau getragene Schwäche immer massive Gegenreaktionen von robusteren Naturen provoziert. Leider herrscht nun einmal auch in der Koexistenz von Völkern das brutale Gesetz der freien Wildbahn. Unser sukzessiver Auflösungsprozeß beginnt damit, daß wir unsere Ostprovinzen entgegen allem Völkerrecht einer faulen Entspannungspolitik opfern, weil man uns droht, uns sonst „von der Landkarte auszuradieren“, und er endet mit unserer Unfähigkeit, die Umfunktionierung unseres Landes in ein polykulturelles Tohuwabohu von Wirtschaftsasylanten zu verhindern, die munter die Früchte unseres Fleißes ernten. Wir reagieren nicht einmal mehr allergisch, wenn wir in unserem Konsumrausch, fett und impotent, wie Churchill uns haben wollte, uns als Sozialamt der gesamten Welt bis aufs Blut auspowern lassen. Der lebensfeindliche Liberalismus, dem wir wie einer Droge verfallen sind und der offenbar alle Prinzipien des gesunden Menschenverstandes außer Kurs setzt, wird dafür sorgen, daß die Bäume unseres Wohlbehagens nicht in den Himmel wachsen. Ein halbes Jahrhundert gezielter Umerziehung hat offenbar ausgereicht, uns die letzten Flausen von einem nationalen Selbstverständnis gehörig auszutreiben. Wir stehlen uns nicht einmal mehr das bisschen Zeit, um über den wahren Zustand der Nation gegen Ende des zweiten Jahrtausends nachzudenken. Statt dessen liefert uns der englische Historiker A. J. P. Taylor ein sicher entmutigendes, aber in jedem Fall zutreffendes Psychogramm des Schwunddeutschen dieser Tage ab, das man nicht ohne Nachdenklichkeit wegstecken sollte. „Zwar sind sie noch da, die Deutschen, aber atomisiert, jeder für sich hinlebend, gut verdienend, fleißig und wohlgenährt“, räsonniert er kenntnisreich. „Aber sie bereiten niemand mehr Kopfzerbrechen, sich selbst nicht und anderen nicht. Im Grunde wollen ja auch die Deutschen nicht anders als bei ihrem jetzigen Zustand bleiben, denn das Wirtschaftswunder behagt ihnen sehr.“ Allerdings setzt Taylor dieser beherzigenswerten Bestandsaufnahme eines der Lust am Untergang frönenden Volkes noch das gewichtige Wort hinzu: „Man muß nur aufpassen, daß niemand kommt, der sie aus dem Schlaf rüttelt.“ Damit dieser schlafende Tiger nicht in uns geweckt wird, dafür sorgt schon unsere Medienschickeria nach allen Regeln ihrer defätistischen Überredungskünste. Ihr ist noch immer etwas eingefallen, daß uns der teutonische Hafer nicht wieder sticht und daß jeder Funke einer nationalen Selbstbesinnung bereits im Keime erstickt. Die von ihnen praktizierte Methode ist über ein halbes Jahrhundert hin die immer gleiche geblieben. Sie besteht ganz einfach in dem Trick, mit weitausholender Drohgebärde unseren guten alten Hitler, der offenbar nicht sterben darf, aus der Versenkung auftauchen zu lassen. Nicht einmal unsere amerikanischen Kolonialherren brauchen zu fürchten, daß man uns aus dem Schlaf rüttelt. Das von unseren Medien angewandte Rezept einer Dauernarkotisierung durch gezinkte Informationen wird vorerst seine Wirkung nicht verfehlen. Bei genauerer Betrachtung stellt sich der umerzogene Neudeutsche als ein total geschichtsloses Wesen heraus, das nicht weiß, woher es kommt und wohin es geht. Er hat sich mit einer beängstigenden Ausschließlichkeit eigentlich nur mit einer Gegenwart arrangiert, an der er im großen und ganzen kaum etwas auszusetzen findet, solange er den Zivilisationskomfort ungehindert genießen kann. Inzwischen hat er längst herausgefunden, daß es sich ohne geschichtliche Konterbande ungleich ungezwungener leben läßt. Sein reichlich lädiertes Geschichtsbewußtsein läßt er sich vorwiegend von den elektronischen Massenmedien mit Desinformationen vernebeln, die samt und sonders antideutsch eingefärbt sind. Nur eines möchte er um keinen Preis: Aus der komfortablen Bequemlichkeit seines Restauratoriums aufgeschreckt werden und wieder einmal sein blaues Wunder erleben. Nach dem überraschenden Bankrott des Sozialismus hat man auch hierzulande auf die hochgegriffenen Glücksverheißungen der westlichen Demokratie gesetzt. Doch steht heute bereits die Frage offen im Raum, ob man am Ende nicht wieder aufs falsche Pferd gesetzt hat und damit vom Regen in die Traufe geraten ist. Trifft nicht die Bestandsaufnahme, die der Geschichtsphilosoph Oswald Spengler (1880-1936) bereits von der Weimarer Republik vornehmen konnte, auch auf unsere Republik zu, deren Funktionäre affektiv reagieren, wenn man diese mit dem Weimarer Unstaat auch in eine nur entfernte Relation setzt? „Die alten ehrwürdigen Formen von gestern liegen in Trümmern“, stellte Spengler fest. „Sie sind durch den formlosen Parlamentarismus ersetzt worden, ein Schrotthaufen ehemaliger Autorität, Regierungskunst und staatsmännischer Weisheit, auf dem die Parteien, Horden von Geschäftspolitikern, sich um die Beute streiten.“ Leider kann man nicht verheimlichen, läßt man nur ein Jahrhundert deutscher Geschichte Revue passieren, daß das nationale Ethos wie noch nie in unserem derzeitigen Staat, der scheinbar rettungslos der multikulturellen Gesellschaft entgegentreibt, auf den Aussterbeetat geraten ist. Die Deutschen sind kaum noch imstande, ihre wirklichen Gegner zu erkennen, die uns mit ganzen Breitseiten von antideutschen Hetzparolen eindecken, geschweige denn, ihnen ihr schmutziges Handwerk zu legen. Offenbar haben wir uns schon mitsamt unseren geliebten Statussymbolen ins innere Exil begeben. Man mag es drehen oder wenden, wie man will: Leider trifft für uns zur Zeit im vollen Wortlaut zu, was der Staatsrechtler Carl Schmitt (1888-1985) über das zwingende Gesetz des Ausstiegs der Völker aus der Geschichte in seiner schon 1932 erstmals erschienenen Schrift „Der Begriff des Politischen“ zu sagen hatte: „Solange ein Volk in der Sphäre des Politischen existiert, muß es … die Unterscheidung von Freund und Feind selber bestimmen. Darin liegt das Wesen seiner politischen Existenz. Hat es nicht mehr die Fähigkeit oder den Willen zu dieser Unterscheidung, so hört es auf, politisch zu existieren. Läßt es sich von einem Fremden vorschreiben, wer sein Feind ist und gegen wen es kämpfen darf oder nicht, so ist es kein politisch freies Volk mehr und einem anderen politischen System ein- oder untergeordnet… Wenn ein Volk die Mühen und das Risiko der politischen Existenz fürchtet, so wird sich eben ein anderes Volk finden, das ihm diese Mühen abnimmt, indem es seinen ‚Schutz gegen äußere Feinde‘ und damit die politische Herrschaft übernimmt; der Schutzherr bestimmt dann den Feind … Dadurch, daß ein Volk nicht mehr die Kraft oder den Willen hat, sich in der Sphäre des Politischen zu halten, verschwindet das Politische nicht aus der Welt. Es verschwindet nur ein schwaches Volk.“ Gehören wir etwa schon zu den Völkern, die nicht mehr den moralischen Elan aufbringen, ihre Interessen angemessen und mit selbstverständlicher Würde in der Welt zu vertreten? Wir tragen selbst ein gerüttelt Maß Schuld daran, daß sich der Deutschenhaß in aller Welt auf unsere Kosten austoben kann. Mit der Preisgabe unserer geistigen Autonomie und unserer kulturellen Tradition haben wir einen Grad von Servilität erreicht, die uns nur noch als getreuen Vasallen der amerikanischen Kolonialmacht ausweist, deren wirtschaftlicher und moralischer Bankrott übrigens nur noch eine Frage der Zeit ist. Unsere Nationalallergie hat inzwischen geradezu groteske Ausmaße erreicht. Der von unseren vaterlandslosen Linksauslegern in Umlauf gesetzte Slogan „Ich schäme mich, ein Deutscher zu sein“ weist diese als freiwillig- unfreiwillige Erfüllungsgehilfen einer weltweiten antideutschen Mafia aus. Leider sind es nicht wenige in diesem Lande der Heloten, in dem man dem gesunden Menschenverstand offenbar keine Chance mehr einräumt, die diese Parole gierig aufgreifen, um nur nicht in den Ruf eines übel vermerkten Modernitätsrückstandes zu geraten. Sie huldigen einem lebensgefährlichen Liberalismus, zu dessen Erscheinungsbild natürlich auch unser allseitig bezeigter Nationalmasochismus gehört. Daß sie im Grunde dem wohl harmlosesten und friedliebensten Kulturvolk dieser Erde angehören, nehmen sie nur mit Vorbehalt zur Kenntnis, obwohl alle politischen Fakten dafür sprechen. Und doch sollten sich Deutsche endlich in ihr getrübtes Bewußtsein einhämmern, daß von deutschem Boden bisher die wenigsten Kriege ausgingen. Trotz der geradezu bedrückenden geopolitischen Lage unseres Landes inmitten eines wegen seiner ethnischen Vielfalt von Spannungen geladenen Kontinents und angesichts unserer nach allen Seiten hin offenen Grenzen lassen sich an dieser geschichtsnotorischen Tatsache keinerlei Abstriche machen. „An allen zwischen 1801 und 1933 geführten Kriegen ist Frankreich mit 28 %, England mit 23%, Rußland mit 21% und Preußen- Deutschland mit nur 8% beteiligt gewesen. Kein preußischer König kann nur von fern mit Ludwig XIV. oder Napoleon I. verglichen werden“ (H. J. Schoeps). So schnell haben die Preußen — und mit ihnen die Deutschen — nämlich nie geschossen. Immer versuchten sie mit einer wahren Lammsgeduld ihre Konflikte eher am Konferenztisch als auf Schlachtfeldern auszutragen. Im Waffengang sah man bei uns zulande stets nur den letzten Ausweg. Diese Einsicht schließt allerdings nicht aus, daß man aus Sicherheitsgründen angesichts unserer annexionslüsternen Nachbarn immer schlagkräftige Armeen unterhalten mußte. Das hat uns den gänzlich ungerechtfertigten Ruf von fanatischen Militaristen eingetragen. Fahndet man in der Geschichte nach den von den einzelnen Nationen begangenen Grausamkeiten, so stellen wir abermals in der Liste der zu Brutalitäten disponierten Nationen das Schlußlicht dar. Bei unseren westlichen Nachbarn schlägt nämlich das Massaker der Großen Französischen Revolution von 1789 ebenso negativ zu Buche wie die Bartholomäusnacht von 1572, in der über 20.000 unschuldige Hugenotten ermordet wurden, oder die kaltblütige Liquidierung der Kollaborateure des letzten Weltkrieges. Allein 1944 sollen 100.000 Sympathisanten der deutschen Besatzer umgebracht worden sein, mehr Menschen übrigens, als der gesamte Feldzug gegen Hitler an Opfern gefordert hatte. Ohne Menschenköpfe auf Piken, Aristokraten an Laternen und von Weibern geschlachtete Priester hätte man sich in Frankreich nicht zufrieden gegeben. Aber eben solche Gemetzel „entsprechen dem sadistischen Geist dieser Rasse“ (Spengler). Als Hauptposten im Sündenregister der Engländer taucht der rücksichtslose Genozid an den Iren auf, der an Abscheulichkeit selbst alle Judenpogrome und die Ausrottungsfeldzüge der Holländer gegen die asiatischen Kolonialvölker übertrifft. Auf das Konto der Gentlemen in London, die für sich immer noch in Anspruch nehmen, auf die feine englische Art die Grundlagen des humanitär-liberalen Abendlandes gelegt zu haben, fallen weiterhin die Massaker in den Kolonien, ihre Amokläufe gegen die Buren einschließlich der Erfindung der Konzentrationslager und endlich Churchills Luftkrieg gegen deutsche Frauen und Kinder, vor allem aber die sinnlose Atomisierung Dresdens, von der bereits die Rede war. Der umfangreiche Katalog amerikanischer Geschichtsverbrechen reicht vom systematischen Völkermord an den Indianern und der Schande des blutigen Sklavenhandels bis hin zu Roosevelts kaltblütiger Preisgabe seiner eigenen Marinesoldaten bei Pearl Harbor. Als schändliches Nebenprodukt des von ihm gegengezeichneten Morgenthauplanes ist vor allem Eisenhowers Massenmord an deutschen Kriegsgefangenen zu erwähnen. Von kaum überbietbarer angelsächsischer Kaltblütigkeit zeugt auch der strategisch unwichtige Atombombenabwurf auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki, vor deren Folgen Truman von Fachleuten ausdrücklich gewarnt worden war. Er rühmte sich später damit, wegen des von ihm ausgelösten Massensterbens in Hiroshima nie eine schlaflose Nacht verbracht zu haben, und hielt sich auf seinen Spitznamen „Givethem- hell-Harry“ einiges zugute. Kaum weniger schwer wiegt aber auch der organisierte Seelenmord Amerikas an kulturell höherstehenden Völkern in aller Welt. Die russische Geschichte stellt sich zumindest seit den Tagen Iwans des Schrecklichen (1530-1584) als eine nie abreißende Kette von Grausamkeiten dar. Natürlich hat der sowjetische Diktator Josef Stalin seine Vorgänger als skrupelloser Massenmörder bei weitem übertroffen. Bei Durchsetzung seiner bolschewistischen Experimente blieben etwa 60 Millionen Menschen auf der Strecke. Besondere Aktualität hat wieder einmal der von ihm angeordnete Massenmord an polnischen Offizieren bei Katyn erlangt. Für die entfesselte Bestialität aufgehetzter bolschewistischer Soldaten wird der Ortsname Nemmersdorf immer seinen traurigen Symbolcharakter behalten, während der Name Lamsdorf immer von den unsagbaren Brutalitäten zeugen wird, die von den kleineren slawischen Völkern an deutschen Vertriebenen begangen wurden, von denen nach Kriegsende noch drei Millionen einen fürchterlichen, kaum zu beschreibenden Tod fanden. Mit Bestimmtheit läßt sich jedenfalls sagen, daß deutschen Menschen die Phantasie gefehlt hätte, um sich die Methoden der sadistischen polnischen und tschechischen Racheorgien auszudenken. Ruft man etwa die Schatten von Attilas Hunnenscharen oder der Horden des Mongolenführers Dschingis Khan herauf, oder richtet man den Blick auf den Genozid der Türken an den Armeniern, auf den millionenfachen Volksmord in Kambodscha oder auf das ekelerregende Gemetzel des Spanischen Bürgerkrieges, so reicht diese nur andeutungsweise vorgestellte Palette menschlichen Grauens aus, um zumindest die infame und wider besseres Wissen in Umlauf gesetzte These von der angeblichen Einzigartigkeit der deutschen Kriegsverbrechen, deren historische Erforschung man aus sicher guten Gründen immer noch verhindert, gehörig ins Wanken zu bringen. Zum blutigsten Kapitel unserer eigenen Geschichte zählen wahrscheinlich immer noch die Bauernkriege von 1524/1525, während die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges vorwiegend der ausländischen Soldateska zuzuschreiben sind, sogar den als besonders friedliebend und human geltenden Schweden. Zu erwähnen ist schließlich auch noch, daß die Deutschen als Kolonialherren im internationalen Vergleich als besonders menschlich durchaus ehrenvoll abschneiden. Überhaupt galt der deutsche Soldat gegenüber anderen nach allgemeinem Urteil immer als der disziplinierteste und ritterlichste seiner Zunft. Revolutionen fanden auf deutschem Boden kaum statt. Wenn man sich schon einmal dazu hinreißen ließ, vollzogen sie sich in der Regel erstaunlich unblutig. Die Disziplin eines Untertanenvolkes von eher idyllischer Gemütsart zahlte sich in Phasen geschichtlicher Zerreißproben stets voll aus. Die Anlage zu Gemüthaftigkeit, Innerlichkeit und bürgerlicher Beschaulichkeit schloß historische Exzesse von vornherein aus. Die naheliegende Frage, warum gerade die Deutschen sich in der Weltöffentlichkeit so schlecht verkaufen, steht nach alledem noch offen im Raum. Wahrscheinlich sind wir die einzige Nation, die nicht imstande oder willens ist, den gegen uns gerichteten bösartigen Diffamierungen mit einer Entschiedenheit zu kontern, die jeden Versuch einer Wiederholung bereits im Ansatz abblockt. Sucht man nach den Gründen dieses Fehlverhaltens, so drängt sich der Eindruck mangelnder Reife auf, die es uns nicht erlaubt, uns mit natürlicher Würde in einer Welt, die mit dem Zaghaften und Schwankenden nicht gerade zimperlich zu verfahren pflegt, zu bewegen. Würde ist nämlich eine Errungenschaft ausgelebten Lebens und nach Friedrich von Schiller (1759-1805) Ausdruck einer geschlossenen und in sich selbst ruhenden Persönlichkeit. Nur eine solche kann in anderen ein Gefühl selbstverständlicher Achtung erwecken. In der Präsentation einer würdevollen Haltung sind uns die romanischen Völker hoch überlegen. Die Italiener etwa als eine ältere „Rasse“ waren ebenso wie die Japaner selbstsicher genug, um sich von den Siegern des Zweiten Weltkrieges ihre Geschichte nicht in ein Pitaval oder gar in ein Verbrecheralbum umfunktionieren zu lassen. Niemand hat sich aus Mangel an nationalem Selbstgefühl so bedenkenlos den Einflüssen der französischen Kultur im 18. Jahrhundert und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dem alles nivellierenden Trend eines weltumspannenden Amerikanismus ausgeliefert wie die Deutschen. Dieser Mangel an eigenem Profil pflegt aber allen geschichtlichen Erfahrungen nach immer nur durch Respektlosigkeit honoriert zu werden. Unsere noch arg unterentwickelte Selbstachtung hat uns dann bezeichnenderweise in dieser Republik hohe und höchste Staatsrepräsentanten beschert, die noch am ehesten ihre persönlichen Interessen oder engstirnige Parteiegoismen mehr servil und würdelos als unser aller Sache mit der notwendigen Entschiedenheit, Schaden von unserem Volk abzuwenden, vertreten. Auch der derzeitige oberste Repräsentant unseres Staates, Bundespräsident Richard von Weizsäcker, kann gerade wegen dieses Mankos an nationaler Haltung als angemessener Exponent der profillosen Neudeutschen in einer Welt gelten, die immer noch die Lauen verachtet hat. Besteht nach der an dieser Stelle vorgenommenen „Aufrechnungs-Arithmetik“ wirklich Veranlassung, einen bornierten allgemeinen Modetrend unbesehen und unkritisch zu akzeptieren und seiner Zugehörigkeit zum deutschen Volk schamhaft abzuschwören? Die Antwort ist eindeutig: Nein. Addiert man nämlich die unübersehbaren und beeindruckenden Beiträge der Deutschen zur Weltkultur fein säuberlich zusammen, so kommt eine durchaus ehrenvolle Bilanz dabei heraus, die eigentlich dazu geeignet sein sollte, unser vorsätzlich lädiertes patriotisches Empfinden wieder gehörig aufzumöbeln. Heinrich von Kleist meinte schon, das deutsche Vaterland erfülle alle Voraussetzungen, es aus vollem Herzen zu lieben, „weil Gott es gesegnet hat mit vielen Früchten, weil viele schöne Werke der Kunst es schmücken, weil Helden, Staatsmänner und Weise, deren Namen aufzuführen kein Ende ist, es verherrlicht haben“. Dieser Satz ist freilich eine unmißverständliche Aufforderung aus berufenem Munde zu einem Patriotismus in selbstverständlicher Würde und im höheren Sinne auch zu einer unmißverständlichen Abwehrbereitschaft gegen den ewigen Deutschenhaß, den wir auch unserer mangelnden Einsatzbereitschaft für dieses Land zuzuschreiben haben. Bleibt nur noch zu hoffen, daß die Deutschen nicht auch zu den Völkern gehören, die erst durch Katastrophen klüger und aktiver werden, um sich in einer aus den Fugen geratenen Welt mit angemessener Würde behaupten zu können. Wir Deutschen sollten also schleunigst hinzulernen, daß weder nationale Arroganz noch Unterwürfigkeit anderen zu imponieren pflegen. Zwischen Hochmut und Demut aber liegt, wie Theodor Fontane (1819-1898) schon wußte, ein Drittes, dem das Leben gehört, und das ist ganz einfach der Mut.
Nach der Wiederherstellung der Einheit von West- und Mitteldeutschland wurden im benachbarten Ausland wieder Stimmen laut, die vor einem „neuen deutschen Nationalismus“ und einem „Vierten Reich“ warnten. Ausdruck von berechtigter Sorge oder Fortsetzung einer uralten Hetzkampagne gegen Deutschland? In leicht verständlicher Form und anhand einer Fülle von Beispielen aus der Geschichte beschreibt der Autor den seit Jahrhunderten blühenden Haß auf uns Deutsche. Ob Franzosen, Engländer, Polen, Russen oder Amerikaner, sie alle würden nur zu gern Deutschland „von der Landkarte ausradieren“ (Lech Walesa). Aber auch in unserem eigenen Land wächst der Haß auf das deutsche Volk, geschürt von linken Intellektuellen, Antifa- Kämpfern und Ausländergruppen. Mit seinem aufrüttelnden Buch appelliert Gustav Sichelschmidt an den Mut und die nationale Würde von uns Deutschen, dem Kesseltreiben deutschfeindlicher Kräfte selbstbewußt entgegenzutreten.
ARNDT

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